Diese Haltung habe ich schon so lange verinnerlicht – ich vergaß, wann ich zuerst damit in Berührung kam. Was ist alles ›Sharing‹, also Teilen / Mitteilen. Und wann ist Sharing auch ›Caring‹? Danke für die Anregung zum Nachdenken darüber an Valerie Wagner.
Doris Schuppe • Der Beitrag Mindset Sharing is Caring erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Sorry, Valerie, aber mit der Schreibweise der von dir initiierten Blogparade kam ich nicht zurecht. Daher findest du den Beitrag hier als ›is‹ ohne ›t‹. Das kurz vorweg.
Wo fange ich also an?
Mit eine der wichtigsten Wurzeln in diesen Themenfeld ist das von mir als Verein mitgegründete Business-Netzwerk für Frauen »webgrrls«. 2013 verteilten wir Postkarten für die coole Kampagne »Yes, she shares«, um auf unser Netzwerk aufmerksam zu machen. Perfektes Match: Denn das war genau eine der wichtigsten Eigenschaften, die unser Netzwerk ausmacht, auszeichnet und prägt: Wir teilen unser Wissen, unsere Erfahrungen, Erkenntnisse oder Kniffe mit anderen im Netzwerk.
Für mich stellte in den späten 1990ern die Gemeinschaft der webgrrls die perfekte Option dar, mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen: Frauen, die das Thema Computer und Internet beruflich aktiv nutzen. Längst nicht alle hatten wie ich Informatik studiert. Das Miteinander begann in eMail-Austauschlisten, Konferenzen und regelmäßigen Treffen in den Regionen. Mit der Zeit kamen Online-Foren, virtuelle Treffen, Online-Events sowie zwei virtuelle Barcamps zur Vernetzung dazu. Meine Zeit in München über war ich aktives Mitglied der webgrrls Bayern. Eine hervorragende Aktivität ist deren Mentoring-Programm, in dem Lebenserfahrung und Wissen weitergegeben werden.
»Unser Motto lautet: Wissen, Erfahren, Teilen. Wertschätzend, respektvoll und achtsam unterstützen und stärken wir einander in unserer beruflichen und persönlichen Entwicklung. Nach außen ist unser Anliegen, die Sichtbarkeit von Frauen in der Berufswelt zu erhöhen. Wir informieren, tauschen uns aus und ermutigen uns gegenseitig bei über 30 Treffen pro Jahr in Bayern.« – webgrrls Bayern
Nach wie vor fühle ich mich mit den bayerischen webgrrls verbunden. Der Kontakt hält gut durch Online-Veranstaltungen und den von mir mitgeführten monatlichen ›Lean Coffee Online‹ für alle interessierten webgrrls.
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Was bedeutet das ›Caring‹ durch ›Sharing‹ genau?
Wir kümmern uns umeinander, lassen uns nicht mit Problemen, Fragen oder Herausforderungen im Stich. Wenn wir etwas Neues gelernt haben, sind wir bereit, einiges davon mit den anderen zu teilen.
Wenn jemand Hilfestellung zu einer Software benötigt, dann kommen rasch konkrete Tipps oder Anleitungen aus dem Netzwerk. Oder das Beispiel: Für mein Buch arbeitete ich mich tief in das Thema ›Holacracy‹ ein. Es handelt sich um ein Konzept zur Selbstorganisation in Organisationen – Unternehmen genauso wie Vereine. Weil es so wenig bekannt ist, bot ich dazu einen Impuls für das Online-Treffen der webgrrls an. In der Fragerunde diskutierten wir konkrete Nachfragen zur Umsetzung und zu Herausforderungen bei der Veränderung einer Organisationsstruktur nach holakratischen Prinzipien. Kaum eine Teilnehmerin hatte vor dem Impuls von Holacracy gehört. Im Anschluss nahmen viele es als wertvolle Inspiration für ihr Umfeld mit.
Dem ›Sharing is Caring‹ begegne ich seit 2009 ebenfalls in der Coworking-Szene. Wer einen Coworking Space als Dritten Ort versteht, bietet hier »A Home Away from Home«, wie es Ray Oldenburg nennt. Wohnungen oder Unternehmen sind private Orte, dritte Orte sind öffentlich. Und doch fühlen sich Menschen am dritten Ort so geborgen und aufgehoben wie in einem idealen Zuhause.
In einem mit diesem Spirit geführten Coworking Space kümmern sich die Hosts um ihre Community, und entsprechend die Coworkers untereinander. Dabei ist es ein Caring auf gleicher Augenhöhe. Es geht weder um Bemutterung noch fürsorgliche Bevormundung. Es folgt vielmehr dem wichigen Prinzip der wertschätzenden ›Hilfe zur Selbsthilfe‹. Das lernte ich früh in meiner Zeit als junge Pfadfinderin in unserer gemischten Gruppe mit rollifahrenden und anders behinderten Jugendlichen.
»Die German Coworking Federation operiert nach den 5 Grundwerten des Coworking – Offenheit • Zugänglichkeit • Nachhaltigkeit • Gemeinschaft • Kollaboration – und verbindet, begeistert, informiert, vertritt und qualifiziert Menschen im Kontext einer Coworking-Kultur. Sie versteht sich als deren Interessensvertretung im deutschsprachigen Raum.« – Mission German Coworking Fedaration
In meinen Coworking Spaces teile ich meinen Platz zum Arbeiten mit anderen und bin im Austausch mit ihnen zu unseren Erfahrungen & Wissen: Rayaworx Mallorca & cowirkSPACE. Ich freue mich, aktiver oder zumindest fakultativ aktiver Part in weiteren Netzwerken (German Coworking Federation, MagnetproduktClub, Netzwerkbooster, VGSD e.V.) zu sein.
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Weitere Facetten des Sharings
Sharing hat noch viel mehr Spielvarianten als die erwähnten Netzwerke oder Coworking.
- Warum gebe ich so gerne Workshops oder Seminare?
- Weil es hier interaktiv zugeht. Ein Vorlesungsstil liegt mir nicht, ich sehe in der beruflichen Bildung immer die Optionen, aus der Praxis, den Fragen und Herausforderungen der Teilnehmenden mitzulernen.
- Mein Blogging begann vor vielen Jahren als internes Agenturblog.
- Ich fand als ›Head of Research & Strategy‹ vieles heraus, was zu einem späteren Zeitpunkt für die Kundenkontakte und Kreativen der Agentur interessant wurde.
- Mit den Blogbeiträgen stellte ich Lernbausteine zu neuen digitalen Kommunikationslösungen bereit, die dann genutzt wurden, wenn sie gebraucht wurden.
- Mit meiner Selbstständigkeit startete ich dann DoSchu.Com als öffentliches Blog.
- »Verschenkst du dein Wissen, das du in Beratungen oder Workshops vermittelst?«, wurde ich oft gefragt. Ich schreibe über Ansätze, Tools, Tipps. Eine Beratung ersetzen kann das selten.
- Meine Artikel werden gelesen, und die eine oder andere Beauftragung erhielt ich, weil jemand in meinem Blog endlich etwas aus Digitalien verstanden hat.
- Inzwischen teile ich Erfahrungen und Wissen in weiteren themenbezogenen Blogs: Rayaworx Blog zu Coworking & Workation, cowirkSPACE Blog zu Methoden und Online-Coworking, 2go2-Mallorca zu Reisen und Leben auf Mallorca).
- Apropos Social Media:
- Lange war ich Fan des Twitterverse und teilte wie viele andere Twitterati interessante Fundstellen oder Erkenntnisse.
- Heute gebe ich Learnings oder Hinweise auf Events und Blogs vorwiegend auf Linkedin & Mastodon weiter.
- Meine Kreise teilen insgesamt deutlich weniger als früher im Twitterverse. Daher DANKESCHÖN an alle, die das Teilen von Eindrücken und Weiterempfehlen von guten digitalen Inhalten weiterhin praktizieren.
- Vom eigenen Blog kam ich schließlich zum gedruckten Buch.
- Das kostet viel Energie und Ausgaben für Dienstleistungen, damit über dieses Medium Ideen und Anregungen mit anderen geteilt werden. Dafür bietet es in Lesungen die Gelegenheit, mit anderen Menschen über die Themen in Kontakt und in den Austausch zu kommen.
- Für mein Dranbleiben biete ich jeden November einen täglichen SchreibClub-Monat online an. Seit einigen Monaten nun den ›jeden verdammten Mittwochmorgen-SchreibClub‹ als mit anderen geteilte Schreibroutine. Und da freue ich mich enorm, wenn Mitmachende stolz von ihren Blogprojekten oder dem Vorankommen im Buchmanuskript erzählen.
- Live-Sharing
- Vorträge gehören dazu, genauso wie die oben bereits genannten Seminare oder Workshops.
- Zu diesen Facetten des ›Sharing is Caring‹ zähle ich insbesondere Barcamp-Sessions oder Beiträge auf NerdNite-Veranstaltungen. Ich moderierte vor kurzem wieder das Barcamp Coworking auf der #cowork2024 in Karlsruhe. Die Themenvielfalt, das Miteinander, die Impulse, die wir aus den Sessions mitnehmen – das ist so wertvolles Caring!
- Ich liebe das offene ›Ask Me Anything‹-Format für offene Netzwerktreffen.
- In der Pandemie hungerte die rasch von mir ins Leben gerufene Online Community nach Austausch und Inspiration. Daraus entwickelte sich der »Online Salon«, der inzwischen öffentlich als interaktiver Livestream stattfindet.
- Aus dem Caring für die Menschen unserer Community, die in Spanien zu Hausarrest verdonnert waren, entwickelte sich Sharing und etwas Neues, das blieb.
- Nicht zuletzt möchte ich noch das gemeinsame Lernen in einem lernOS LernCircle nennen.
- Das ist eine weitere Variante, denn zunächst gibt es ein engagiertes Redaktionsteam, das Wissen in einen lernOS-Leitfaden einfließen läßt.
- Zudem besteht das Konzept darin, in Kooperation zu lernen: in einem LernCircle, mindestens in einem Lerntandem.
- In den wöchentlichen Zusammenkünften teilen die Gruppenmitglieder in einer Stunde ihre Interpretationen, ihre Erkenntnisse und Blickwinkel auf das vom Leitfaden vorgegebene Thema der Woche. Aktuell kannst du das im #kiMOOC24 miterleben.
»Das Wort lernOS stammt aus dem Esperanto und ist dort die Zukunftsform von Lernen: ich/wir werden/n lernen. Die Grundidee von lernOS ist es also, Einzelpersonen, Teams und Organisationen moderne Methoden des Lernens und Arbeitens beizubringen.« – lernos.org
Ich denke, mit diesen Beispielen fallen dir noch mehr Momente ein, in denen ›Sharing is Caring‹ zum Tragen kommt.
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Was wäre wenn?
Valerie Wagner gibt für ihre Blogparade jede Menge Fragestellungen zur Inspiration für den eigenen Beitrag mit auf den Weg. Sie endet mit Fragen, die zu einem Gedankenspiel anregen sollen.
»Was wäre, wenn ab morgen jeder sein Wissen für sich behält?«
… dann gibt es nach wie vor Menschen, die das nicht tun. Es ist in dem Sinne nichts Neues, denn schließlich galt und gilt in vielen Aspekten unseres (beruflichen) Alltags das Prinzip des ›Information Hiding‹ und ›Wissen ist Geld / Macht / …‹. Als Biologin glaube ich daran, dass es immer altruistisches Verhalten im Sinne des freiwilligen und selbstlosen Handeln zum Wohle eines anderen Menschen geben wird.
»Was wäre, wenn wir das komplette Internet abschalten?«
… dann reaktivieren wir das Fido-Netzwerk und vernetzen uns wie in den 1980ern. Wir haben Telefonleitungen, wir haben das so genannte Fediverse mit verteilten Instanzen. Es wird uns etwas einfallen, miteinander in Austausch und Kontakt zu bleiben.
»Was wäre, wenn wirklich alles Wissen der Welt jederzeit frei verfügbar wäre?«
Hm, definiere ›alles Wissen der Welt‹. Im positiven Sinne und des Miteinanders könnte es wie vor langer Zeit der Stein von Rosette als Schlüssel zu Sprache und kulturellen Details der altägyptischen Zivilisation eine Quelle für gegenseitiges Verstehen sein.
Tatsächlich erleben wir heute, obwohl beispielsweise in unserer Kultur ein enormes Wissen in digitaler, gedruckter oder multimedial aufbereiteter Form abrufbar ist, wie erfolgreich plakative und krass polarisierende Statements sind. Quasi je verzerrter, desto ›Click‹, wie ich hier im Blog beschrieb. Es ist bekannt, dass kriegerische Auseinandersetzungen unfassbar viel menschliches Leid erzeugen. Und doch tun es einige wenige vielen anderen Menschen an. Das Wissen zu Umweltfolgeschäden ist verfügbar, und doch werden weiterhin Anbaumethoden erlaubt, die zum Insektensterben beitragen. Die Fotos von Plastik in Meerestieren sind bekannt, und doch stört sich die Mehrheit kaum an plastikverpacktem Obst und Gemüse. I think you catch my drift. Wenn du an eigener Verhaltensänderung arbeiten möchtest, schau dir den Micro Habits-Beitrag auf Karrierebibel an.
Sprich: An der Haltung, dem Mindset – daran müssen wir auch bei Zugriff auf ›alles Wissen der Welt‹ weiter arbeiten.

Du magst noch mitschreiben?
Hier geht es zu Valeries Aufruf zur Blogparade »Sharing ist Caring« – bis 15. Mai 2024 hast du Zeit!
Illustration & Fotos: DoSchu (Titel mit Canva.com)


Liebe Doris, vielen dank fürs Mitmachen, gerade ging die Zusammenfassung zur Blogparade raus https://www.valerie-wagner.de/sharing-ist-zaeh-die-zusammenfassung-der-blogparade-sharing-ist-caring/
Liebe Grüße
Valerie