Wie lerne ich neue Tools kennen, ohne in ein ›RabbitHole‹, ein Zeitloch zu versinken? Bei der Erforschung von Lösungen rund um generative Künstliche Intelligenz geschieht das recht schnell. Das erinnerte mich stark an die ersten Zeiten mit Social Media-Plattformen. Die Lösung sind ›RabbitHole DeepDive‹-Sessions, wie ich sie taufte. Und ich freue mich, wie gut die Methode ankommt.
Doris Schuppe • Der Beitrag Methode: ›RabbitHole DeepDive‹ erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
»Ich schaue auf die Uhr, und stelle fest, dass ich geschlagene drei Stunden mit der KI rumexperimentiert habe – KI ist ein Zeitkiller!« So beklagen sich viele, die beginnen, generative Künstliche Intelligenz für sich zu entdecken.
Kommt dir das bekannt vor? Vor vielen Jahren sagten ähnliches diejenigen in den Seminaren, die sich erstmals mit Facebook, Twitter oder Instagram beschäftigten.
Wie können wir verhindern, in so ein Zeitloch oder ›RabbitHole‹ zu fallen? Was hilft uns, unsere Zeit besser im Blick zu behalten? In diesem Beitrag stelle ich dir eine Methode vor, die super hilfreich für das Entdecken von neuen Tools oder Anwendungen ist.
Inspiration: Timeboxing
Für mich ist Timeboxing, das ich mit Agilität kennenlernte, seit langem ein wichtiges Mittel. Timeboxing bedeutet, sich für eine Aufgabe vorab ein Zeitfenster festzulegen. Zum Beispiel 5 oder 10 Minuten für wildes Schreiben, um alles loszulassen, was einer gerade im Kopf herumschwirrt. 25 Minuten nach dem Pomodoro-Prinzip für die Arbeit an Blogbeiträgen oder zum Schreiben von Social Media-Kommentaren mit der Stoppuhr einhalten.
»It is a commonplace observation that work expands so as to fill the time available for its completion.« – Cyril Northcote Parkinson*
Schon für die Arbeit an Social Media-Profilen empfehle ich konkrete Zeitfenster zu setzen. Sonst geschieht es leicht, bei Instagram oder Facebook ins ›Doom Scrolling‹, also dem endlosen Scrollen, zu verfallen. Im Online Coworking im cowirkSPACE verabreden wir Zeiten, in denen wir uns intensiv unseren Aufgaben widmen. Da lag es nahe, dieses Konzept auf das Experimentieren mit neuen Tools rund um generative KI anzuwenden.
›RabbitHole DeepDive‹ • so geht’s
Im Rahmen des #kiMOOC24 kam die Problematik des Abtauchens im RabbitHole zur Sprache. Ich schlug meiner Lerngruppe zum KI-Leitfaden als Lösung vor, gemeinsame Sessions mit Zeitmanagement zu verabreden. Damit wir parallel auf Tauchstation ins Kanninchenloch gehen – und uns jemand wieder zurückholt, wenn eine verabredete Zeit vergangen ist.
Die Begeisterung für das ›explore on your own, not alone‹ trug ich dann im Juli mit zur 8. lernOS Convention #loscon24 als inspirierenden Lightning Talk.
Anzahl Teilnehmende
Der ›RabbitHole DeepDive‹ kann klar auch solo angewendet werden. Es bringt jedoch deutlich mehr, wenn es in einer Lerngruppe beispielsweise durchgezogen wird. Hier können die verschiedenen Aspekte ausgetauscht werden oder verschiedene KI-Anwendungen mit gleicher Aufgabenstellung verglichen werden. Jede:r arbeitet für sich im Sinne des Coworking-Mindset ›work on your own, not alone‹ und lernt von den anderen im Austausch. Damit die Zeit nicht zu lang wird, empfehlte ich eine Gruppe mit maximal 5 Teilnehmenden.
Zeitaufwand
- Solo • 2 x 30 Minuten (+ je 5 Minuten Intro, Pause sowie ›lessens learned‹)
- Gruppe • ca. 90 Minuten (Intervalle siehe unten)
Schritt für Schritt Anleitung
Die Anleitung ist für eine Gruppe formuliert. Bei Solo-Anwendung entsprechend anpassen.
0 • Termin verabreden
- Vereinbart gemeinsam einen Termin für die gemeinschaftliche Tool-Erforschung.
- Klärt vorab, was genau zu tun ist.
- Falls ihr wollt, stimmt ab, welches Tool sich jede:r vornehmen wird.
- Falls ihr wollt, klärt eine Aufgabenstellung, die ihr jeweils mit verschiedenen Tools angehen werdet.
- Datum notieren

Step 1 • Willkommen & Was nehme ich mir vor? • 5-10 Minuten
- Rundlauf: Wie geht es mir heute?
- Rundlauf: Welche Aufgabe nehme ich mir gleich konkret vor?
Step 2 • Abtauchen ins ›RabbitHole‹ • 30 Minuten
- Jede:r geht die vorgenommene Aufgabenstellung an.
- Das Tool, dass zuvor genannt wurde, wird dafür genutzt.
Step 3 • Auftauchen & Austausch • 5-10 Minuten
- Rundlauf: Wie lief’s?
- Rundlauf: Was habe ich gelernt?
- Rundlauf: Was gehe ich in der nächsten Runde an?
Step 4 • Abtauchen ins ›RabbitHole‹ • 30 Minuten
- Jede:r geht die nun eventuell veränderte Aufgabenstellung an.
- Es geht weiter mit dem bisherigen oder einem neuen Tool.
Step 5 • Auftauchen & finaler Austausch • 10-15 Minuten
- Rundlauf: Wie lief’s?
- Rundlauf: Was habe ich gelernt?
- Raum für Fragen der Teilnehmenden untereinander zu den Learnings.
- optionaler Rundlauf: Was nehme ich mir für eine nächste Erkundung vor?
Tipp • Nutzt für den Rundlauf den ›Circle Way‹. Dazu legt ihr zu Beginn per Losverfahren fest, in welcher Reihenfolge die Teilnehmenden zu Wort kommen. Das können Reihenfolgen nach dem Alphabet oder Wortlänge sein, wenn ihr fragt, welches Lieblingstier jemand hat. Genau in dieser Reihenfolge spricht dann jeweils eine Person, und alle anderen hören aufmerksam zu.

Vorteile der ›DeepDive‹-Sessions
In der Lerngruppe zum #kiMOOC24 sprachen wir über die Effekte, die uns dieses ›RabbitHole DeepDive‹-Session brachten:
- Timeboxing gegen ›unkontrolliertes‹ Abtauchen bei der Erforschung neuer Tools, Methoden oder Plattformen.
- Die Verabredung zum Experimentieren in CoPräsenz gibt Verbindlichkeit für den Termin.
- Eigenes geplantes Abtauchen in ein Tool der Wahl paßt zum individuellen Charakter des lernOS-Leitfaden-Ansatzes.
- Gegenseitige Hilfe, aus dem DeepDive wieder herauszukommen.
- Alle machen eigene Lernerlebnisse – und in Gemeinschaft profitieren sie auch von den Ergebnissen der anderen.
One more thing
Mit der Lerngruppe suchte ich für den #loscon24 Talk weitere Inspirationen für die Teilnehmenden.
- DeepDive-Sessions für Teams im Unternehmen anbieten, sobald eine neue Technologie eingesetzt werden soll (evtl. 60 min)
- ›Technologie‹ kann dabei stehen für Social Media, Sofware für digitale Kollaboration, Online Konferenzen, generative KI, …
- Passt auch, um sich zum Beispiel für das parallele Arbeiten an den verschiedenen Social Media- oder LinkedIn-Profilen zu verabreden. Quasi Mikro-Coworking :)
Speziell für lernOS • Aus der Erfahrung im #kiMOOC24 empfehlen wir lernOS-Redaktionen, in den Leitfäden die Methode aufzugreifen. Insbesondere bei Themenfeldern, in denen ähnlich wie beim lernOS KI Leitfaden verschiedenste Tools ausprobiert werden. So könnte eine Wochen-Sitzung in der Form einer gemeinschaftlichen DeepDive-Session gestaltet werden. Oder es gibt die Anregung an den LernCircle, zu zweit oder zu mehreren solche Terminen zu verabreden.
Eine Bitte zum Schluss
Dir gefällt die Methode? Dann empfehle meinen Beitrag zur Erklärung gerne weiter. Wenn etwas auffällt oder fehlt, bitte Rückmeldung an mich. Genauso Erlebnisberichte, wie so eine ›RabbitHole DeepDive‹-Session genau das richtige für dich oder dein Team war.
Links zur Vertiefung
Parkinson’s Law
- * »The ›law‹ that explains why you can’t get anything done« https://www.bbc.com/worklife/article/20191107-the-law-that-explains-why-you-cant-get-anything-done
- » Parkinsonsches Gesetz: Effizientere Arbeit mit Limits!« https://karrierebibel.de/parkinsonsche-gesetz/
kiMOOC24 / losCon24
- Alles zu dem #kiMOOC24 im Beitrag Selbstlernkompetenz: lernOS, KI & #kiMOOC24
- lernOS KI Leitfaden (deutschsprachig) https://ai.lernos.org/de/
- 8. lernOS Convention #losCon24 Infos & Programm https://loscon.lernos.org/de/
- Lightning Talk Aufzeichnung https://youtu.be/g4hNodCzXB0?si=X03aqnVNbWvstMJv&t=494
Illustration: DoSchu mit canva.com • Transparenzhinweis: Die Grafik ›RabbitHole DeepDive‹ erstellte ich mithilfe der Canva-KI.



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