Eine Blogparade, in der Anna Koschinski einlädt, über das Schreiben nachzudenken. Warum schreibe ich? Wie hat sich mein Schreiben über die Zeit verändert? Gibt es Schreibroutinen oder Wünsche ans Schreiben? Hier meine Gedanken dazu. Viel Spaß!
Doris Schuppe • Der Beitrag Schreiben über das Schreiben #blogparade erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Übersicht zu Schreiben über das Schreiben
Warum schreibst Du?
»Wer schreibt, der bleibt«, sagt ein Sprichwort. Nach persönlichem Aufschreiben für mich entdeckte ich als Zwanzigjährige unerwartet, dass zwei Frauen in meiner Familie Bücher veröffentlichten. Davor waren Buchautor:innen abstrakte Persönlichkeiten, never ever ein ›Role Model‹. Mit der Erkenntnis über die schreibenden Aktivitäten der Verwandtschaft kam Schreiben oder gar ein Buchmanuskript verfassen auf meine Liste.
Ein Studium der Biologie bringt Zeichnen und Schreiben mit sich. Nie hätte ich vorher gedacht, dass ich als Studentin derart viele Berichte und Skizzen anfertigen würde. Ich engagierte mich in der Redaktion eines Studierendenmagazins. Und nach erfolgreichem Diplom in Biologie & Information wandte ich mich statt Doktorarbeit mit Sklavin-Vertrag in der Wissenschaft dem Journalismus zu.
Blogosphere
Schreiben gehörte also zu mir. Mit dem Aufkommen der Weblog-Technologie begann ich ein internes Blog für die Agentur, in der ich arbeitete. Für verschiedene andere Blogs durfte ich als Gastautorin wie zum Beispiel für den PR-Blogger beitragen. Die Inhalte im Blog rund um die Aktivitäten des ›Social Media Club München‹ kamen aus meiner Feder.
»Warum schreibe ich: Um Menschen mitzunehmen auf die Erfahrungsreise durch ›Digitalien‹. Ich lade sie ein, sich mit verschiedenen Aspekten technologischer Neuerungen zu beschäftigen. Ich helfe ihnen Spielräume zu erkennen und das verbreitete ›Schwarz-Weiß-Denken‹, dieses ›Good vs. Evil‹, aufzubrechen.« – DoSchu
Mit der neuerlichen Selbstständigkeit 2010 war klar, dass ein Blog diese begleiten würde. ›DoSchu.Com‹ war geboren. Hier schreibe ich über die Themen, die mich rund um Digitalien und Kommunikation bewegen. Ich wecke die Aufmerksamkeit für die Schattierungen zwischen den extremen Polen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
Beispiel Social Media: Damals verteufelten es die einen und andere lobten es in den Himmel. Ich bewege mich thematisch zwischen den Extremen – und erhalte in meinen Seminaren dafür allerhand Lob. Teilnehmende erkannten in Social Media unverhofft unterstützende Aspekte für ihre Ziele, die ihnen durch ihre vorige ›Ja/Nein‹-Haltung entgangen waren.
Hat sich Dein Schreiben über die Zeit verändert?
Auf jeden Fall. Zunächst schrieb ich als Wissenschaftsjournalistin, hernach als Redakteurin für einen Brancheninformationsdienst. Dann arbeitete und schrieb ich als PR-Verantwortliche, später Chefredakteurin für ein B2B-Kundenmagazin und schließlich als Pitch-Presentation-Queen. Ihr könnt euch vorstellen: Perfektion und der Wille zu ›Vollständigkeit‹ prägten lange Zeit meinen Stil.
Veränderung durchs Bloggen
Durch mein persönlich-fachliches Blog ›DoSchu.Com‹ arbeitete ich nach und nach daran, meine eigene ›Schreibe‹ zu finden. Eine Reise von der wissenschaftlichen und journalistischen Ausdrucksweise hin zu lockerer ›Handschrift‹ im Blog. Impulse bekam ich dafür unter anderem im Buch von Stephen King »Das Leben und das Schreiben«.
Veränderung durchs Buch
Mit der Arbeit am Buchmanuskript zu »Heiter bis wolkig in Digitalien« verfeinerte sich mein Schreibstil weiter. Durch Feedbacks der Testleser:innen sowie die überaus hilfreichen Rückmeldungen meiner Lektorin Esther Debus-Gregor. Und dann in der Interaktion mit der Stilanalyse der Software Papyrus Autor.
Ich denke, es geht jeder Autorin so: Ein Schreibmegamarathon für ein Buch beeinflusst nachhaltig das persönliche Schreiben.
Veränderung mit generativer KI
Aktuell verändert oder besser gesagt entwickelt sich mein Schreibprozess weiter. Für die erste Ausgabe des Selbstlern-Leitfaden »lernOS KI« testete ich eine große Anzahl Tools & Services mit generativer Künstlicher Intelligenz. Logisch, dass davon einige zu nützlichen Hilfen beim Schreiben wurden.
Das hat sich durch generative KI-Tools für mein Schreiben geändert:
- Ich habe jetzt jederzeit ein coole ›AIssistenz‹ bei Schreibblockaden durch die Möglichkeit des Dialogs mit einer KI-Chat-Anwendung: meistens Google’s Gemini oder Pi.
- Von DeepL Write aus Köln hole ich mir Inspirationen, falls ein Absatz im Text eine Veränderung benötigt, mir aber partout keine neue Formulierung einfallen möchte.
- Sehr nützlich sind die Rollen-Zuweisungen: Für eine negative Figur im Roman lasse ich mir Vorurteile und Haltungen von der Chat-KI vorschlagen.
Dann macht es klick im Hirn und weiter geht’s.
Was motiviert Dich zum Schreiben?
Platz 1: Feedbacks der Lesenden
Rückmeldungen von Lesenden sind so wunderbar und motivieren mich ungemein. Im Blog freue ich mich von Anfang an über Kommentare. Auf Events wurde ich im ›Social Media Club München‹ auf Blogartikel angesprochen. Leserinnen schreiben mir ab und zu in eMails, wie toll sie mein Buch finden. In Rezensionen lese ich, was die vielen Buchstaben, Wörter und Sätze bei Menschen auslösen. Und ich bin happy, wenn ich bei einer Lesung in die erwartungsvollen Gesichter der Zuhörenden blicken darf.
Platz 2: Verkaufen ohne zu Verkaufen
Ich bin deutlich mehr Kommunikatorin als Verkäuferin. Daher schätze ich mich glücklich, wenn Beauftragungen hereinkommen, weil meine Blogartikel in einer passenden Online-Suche auftauchen. Oder weil Auftraggebende nach so einer Recherche bzw. einer Empfehlung aus meinem Netzwerk in den Blogartikeln Themen endlich verstehen, und daraufhin einen Workshop oder eine Beratung bei mir buchen.
Platz 3: Miteinander in Vernetzung
Durch die Initiative des ›National Novel Writing Month‹ NaNoWriMo kam ich vor ein paar Jahren auf die Idee, im November den Online-SchreibClub anzubieten. Das tägliche frühmorgendliche Schreiben mit anderen Bloggerinnen oder Autorinnen ist eine tolle Motivation fürs Dranbleiben. Daraus hat sich inzwischen ein permanenter Online SchreibClub an ›jedem verdammten Mittwochmorgen‹ entwickelt.
Und: Meine Figuren!
Ich liebe meine Charaktere, die ich im Roman beschreibe. So fallen mir Kapitel, in denen negative Rollen vorwiegen, schon mal schwer. Wenn es dagegen um Schlüsselfiguren geht, in die ich etwas verliebt bin, schreibe ich schneller und leichter. Die kann ich nicht im Stich lassen, ich muss ihre (fiktive) Geschichte fertig erzählen.
Hey Du – ja: Du!
Wie ich selber lesen viele von euch Bücher. Aber rezensierst Du sie? Machst Du Dir die Mühe, die Autoren oder Autorinnen wissen zu lassen, dass Du das veröffentlichte Werk verschlungen hast? Viel zu selten tun wir das. Trotz Social Media und Bewertungseinladungen der Plattformen. Und ich nehme mich selbst nicht aus. Dabei ist das eine der leichtesten Übungen, rückzumelden, wie das Buch angekommen ist. Was es bewegt hat.
- Hinterlass eine Rezension oder zumindest Sterne-Bewertung auf einer der Online-Verkaufsplattformen.
- Schreib einen Kommentar auf einen Blog-, Facebook-, Instagram- oder LinkedIn-Beitrag der Autor:innen zum Buch.
- Verfasse einen Empfehlungs-Post für das Buch.
Ich tue das inzwischen deutlich öfter. Und ich freue mich, wenn Du ab sofort genauso motiviert zur Tat schreitest.
Hast Du Schreibroutinen, die besonders gut funktionieren?
Siehe der Punkt 3 als Antwort auf die Frage zur Motivation. Mittwochmorgens um 7:30 in der Gemeinschaft des Online SchreibClubs mit anderen in Co-Präsenz schreiben – supermegawunderbare Online Collaboration! Beate schreibt in dieser Morgenstunden zum Beispiel an Blogartikeln für ihr Blog. Sie ist – wie wir alle jedes Mal – begeistert, was wir wider Erwarten um diese Uhrzeit leisten.
Falls jemand sagt, dass sie morgens im »MiMo Online SchreibClub« mitschreiben möchte, einfach bei PeerFinder* anmelden und die Aufnahme in die Gruppe beantragen. Wir schreiben in einem Ambiente mit gemütlichen Schreibecken auf GatherTown.
Für morgendliche Schreibsessions stimme ich mich am liebsten mit heißem Kakao mit Hafermilch ein. Eine experimentelle Studie hat einmal ermittelt, dass ein Glas Kakao die Durchblutung des Gehirns steigert. Hier in Spanien gibt es einen Rohkakao, der ist so lecker, dass mir noch nie Zucker darin fehlte.
Was möchtest Du gern mal schreiben?
Einen Bestseller, damit ich dann mehr Zeit fürs Schreiben habe. Hahaha!
Meine größte Herausforderung: Die Gelegenheit im Kalender zum Arbeiten am Manuskript oder Blog frei schaufeln. Gerne arbeite ich als Consultant oder Trainer, und genauso gerne bin ich Gastgeberin in unserem Coworking Space auf Mallorca. Die Erfahrungen in diesen Tätigkeiten fließen in meine Buch- und Blogtexte mit ein. Insofern arbeite ich auch dann quasi am Manuskript, wenn ich nich fern des tatsächlichen Schreibens befinde.
Aber ja: Ich möchte gerne den Nerv der Zielgruppe derart treffen, dass mir ein Bestseller gelingt. Sodass ich aufgrund der paradiesischen Verkaufshonorare jede Menge Zeit fürs Schreiben gewinne – das wäre ein Traum.
In der Überarbeitungsphase ist etwas, dass ich seit Ende 2022 gerne schreiben möchte: Meinen Roman rund um generative KI. Eingebettet in eine unterhaltsame Rahmenhandlung ermögliche ich es Interessierten, Technologien und wichtige Fragestellungen rund um Künstliche Intelligenz zu verstehen.
Apropos KI: In einem überaus unterhaltsamen ›Gedanken‹-Austausch mit der freundlichen Chat-KI Pi habe ich einen spannenden Science Fiction-Plot ersonnen … Schaun wir mal!
Blogparade #SchreibenÜberDasSchreiben
Danke an Initiatorin Anna Koschinski für das wunderbare Thema #SchreibenÜberDasSchreiben! Die Leitfragen waren eine gute Anregung zum Nachdenken. Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Beiträge!
Von Beate habe ich bereits gelesen – ihre erste Reaktion, als ich ihr von der Blogparade erzählte: »Ich schreib’ doch gar nicht …«. Lest selbst: https://visionhochdrei.de/schreiben.
Lesen oder sehen wir uns?
- Beiträge zum Thema Schreiben in meinem Blog https://doschu.com/tag/schreiben/
- Online SchreibClub – wie geht das? https://doschu.com/2023/08/online-schreibclub-so-gehts/
- Anmelden zum MiMo Online SchreibClub https://web.peerfinder.app/groups/bMqYj3kzM8E3zVJGV
- Mein Online Salon-Talk »Autor:in & KI« mit Hilge Kohler https://www.youtube.com/live/MQ5VnV4ZChY
*PeerFinder ist eine Online-Plattform in Deutschland für das Finden und Organisieren von Lernzirkeln, Mastermind- oder Dranbleib-Gruppen. Herzliches Dankeschön an Leonid Lezner für die Entwicklung und Bereitstellung! https://web.peerfinder.app/de
Illustration: DoSchu mit canva.com





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