Aktives Lernen – mit und voneinander: Das kennzeichnet das Peer Learning. Wie ein Learning Circle / LernCircle nach diesem Prinzip funktioniert, welche wertvollen Auswirkungen diese Form des Lernens hat, darum geht es hier im Blogbeitrag. Und ja, es gibt auch eine Lernbegleitung für den ersten selbstgesteuerten Lernzirkel bei Bedarf.
Doris Schuppe • Der Beitrag Gemeinsam stark: Peer Learning & Learning Circle erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Wie Kompetenzen aufbauen in einem dynamischen und kaum vorhersehbaren Umfeld? Themen wie die Digitalisierung der Arbeitswelt oder neue Technologien wie generative KI sind ziemlich dynamisch und komplex. Für solche Themen sind klassische Lernkonzepte einfach nicht mehr passend. Bis ein Bildungsangebot abgesteckt, entwickelt und von den Trainer:innen verinnerlicht wurde, verlangt der Fortschritt längst nach Überarbeitung.
»AI technology is moving fast, so traditional approaches to learning and development may not keep pace.« • Randstad ›understanding talent scarcity: AI & equity‹
Ich weiß, wovon ich spreche. Lange Zeit habe ich Menschen mit Social Media vertraut gemacht. Neue Plattformen stehen plötzlich in der Aufmerksamkeit hoch im Kurs. Bestehende Angebote erfinden sich ständig neu. Einmal verbrachte ich meinen Sonntag damit, vor dem dreitägigen ‚Facebook Manager‘-Seminar alle Screenshots für das Handout anzupassen. Denn just an diesem Tag wurde der lang erwartete Designwechsel ausgerollt. Und dann stand ich montags vor der Gruppe, in der alle noch die bisherige Oberflächengestaltung angeboten bekamen!
Neben dieser Unbeständigkeit ist wenig vorhersehbar, wie sich manche Themen entwickeln werden. Wie können wir angesichts der Entwicklungsgeschwindigkeit von generativer KI hier im Lernen noch Schritt halten?
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Übersicht Gemeinsam stark: Peer Learning & Learning Circle
Aktives und eigenverantwortliches Lernen
Eine Antwort auf diese Herausforderung ist das Konzept des Peer-to-Peer Learning. Es wird auch Peer Learning oder P2P Learning bezeichnet. Der Begriff steht für das kollegiale oder partnerschaftliche Lernen in einer kleinen Gruppe ebenbürtiger ‚peers‘ – ohne die Anwesenheit oder Beteiligung eines Lehrers oder einer Trainerin.
- Das kann das informelle Lernen in der Kaffeeküche sein, wenn du dir von einer Kollegin erklären läßt, was ein ‚Large Language Model‘ ist.
- Oder die Verabredung zu einem Termin, um euch gegenseitig aus eurem fachlichen Fokus ‚aufzuschlauen‘.
- Oder die Formierung einer Gruppe, die sich über einige Wochen hinweg regelmäßig über den individuellen Lernerfolg in einem gemeinsamen Thema austauscht.
- oder oder …
Du siehst: Es geht um Aktivität. Keine passive Weiterbildung, die wie eine Fernsehsendung verfolgt wird. Es gibt Menschen, die mit Online-Kursen super zurechtkommen. Daneben aber auch viele, die stecken bleiben oder durchklicken ohne wirklich viel mitzunehmen. Lernen ist mehr als reines Zuschauen, es ist ein Prozess mit einem Mix aus Anschauen, Nachdenken durch eigene Anwendung, Austausch mit anderen und praktische Umsetzung.
Den Kompetenzerwerb aktiv in die eigene Hand nehmen, sich selbst fortbilden in den Themen und Fachgebieten, die für das berufliche Vorankommen wichtig sind. Am besten funktioniert das Selbstlernen, eigenverantwortliches oder selbstgesteuertes Lernen kombiniert mit den Perspektiven und Erfahrungen anderer.
Na, erinnert dich das an meine Blogbeiträge rund um Barcamps?
Vollkommen richtig: Ein Barcamp ist ebenfalls eine Form des Peer Learning. Teilnehmende sind hier auch Teilgebende. Der zeitliche Rahmen steht als Angebot – die inhaltliche Ausgestaltung des Tages bestimmen die Teilnehmenden selbst. Die jeweilige Session eines Barcamps liegt in der Verantwortung der daran Teilnehmenden. Sie gestalten diesen Ort für den Austausch miteinander und das Lernen voneinander.
Peer Learning findet so beispielsweise auch während eines Meetups, Hackathons oder eines MOOC statt. Mehr Struktur, Verbindlichkeit und eine gewisse Langfristigkeit bringt ein Learning Circle.
Learning Circles: Selbstorganisiertes Lernen in der Gruppe
Du kannst dir den Learning Circle vorstellen wie das Team einer Barcamp-Session. Mit dem Unterschied, dass sich diese Gruppe über viele Woche hinweg mit dem Thema auseinandersetzt. Regelmäßig treffen sich die lernenden Buddies für den Austausch von Lernerfolgen, Fragen und Perspektiven.
Solche Gruppierungen werden auch Lernzirkel, LernCircle oder Peer-Lerngruppe genannt. Das Lernformat läuft auch unter den Bezeichnungen selbstorganisiertes / selbstreguliertes / eigenverantwortetes Lernen.
In deiner individuellen Lernzeit eignest du dir ein neues Themengebiet an. Ergänzend gehst du gemeinsam mit anderen in den Austausch – in einer Gruppe, die ihr selber organisiert. Ihr könnt für das Lerngebiet einen bewährten Lernpfad nutzen. Das ist besonders bei der ersten Lernerfahrung dieser Art empfehlenswert, dazu gleich mehr. Oder ihr strukturiert zu Beginn der Lernphase euren Lernstoff gemeinsam.
In einer selbstorganisierte Peer-Lerngruppe arbeiten alle Teilnehmenden sowohl individuell als auch gemeinsam an ihren Lernzielen. Wer kann das sein?
- Mehrere Kolleg:innen, die in der gleichen Organisation tätig sind.
- Eine Gruppe von Buddies, die sich im Bekanntenkreis zusammenfindet.
- Ein Team, das im beruflichen Netzwerk seinen Ursprung hat.
- Eine spontan gebildete Gruppe auf einer Konferenz oder einem Barcamp.
- Mitlernende, die einander über eine Online-Plattform wie Peerfinder oder P2P University finden.
- …
»Ich bezeichne Peer Learning im LernCircle gerne als ‚Lernreise mit Komplizen & Komplizinnen‘.« – Doris Schuppe
Wie funktionieren Learning Circles?
Zunächst einmal lernt sich die Gruppe kennen. Damit es eine angenehme Atmosphäre wie an einem Lagerfeuer wird, erklären die Teilnehmenden, welche Ziele sie in der Gruppe verfolgen. Sie teilen, welche Erwartungen sie an die Gruppe, ihre Lernreise und das Miteinander haben. Diese Gruppe ist dein Lagerfeuer, dein Fixpunkt.
Für die Navigation durch das Lerngebiet braucht es einen Plan, der den Lehrstoff in passende Häppchen aufteilt. Es gilt, die Stationen auf der Lernreise festzustecken. Das kann miteinander geschehen, es kann agil von Woche zu Woche geplant werden oder es kann ein bestehender Pfad als Grundlage dienen. Du kannst mit deiner Gruppe auch interaktiv mit einer KI-Anwendung wie ChatGPT oder Gemini einen Lernplan aufstellen.
Wie kommst du an einen Lernpfad?
Für deine erste Lerngruppe empfehle ich dir, einen bewährten Lernpfad einzusetzen. Der liefert dir die Basis mit einem groben Ablauf durch das Lerngebiet.
- Frage nach guten Lernlandkarten oder Lernpfaden in deinem Umfeld.
- Oder du greifst zu einem der »lernOS Leitfäden«, die mit einem auf zwölf Wochen geglieferten Lernpfad zu verschiedenen Themen frei verfügbar sind. Deren Inhalte sind so aufbereitet, dass ein LernCircle mit einer Stunde individuellem Lernen und einer Stunde Austausch in der Gruppe pro Woche prima vorankommt.
Wenn du es selbst angehen möchtest, dann kannst du so vorgehen:
- Tragt Fragestellungen, Aspekte, Gebiete des zu lernenden Stoffes zusammen. Am besten mit der 1-2-4-all-Methode der Liberating Structures:
- Erst macht jede:r für sich dazu Notizen.
- Dann tauschen sich jeweils 2 der Gruppe miteinander aus und bringen ihre Notizen zusammen.
- Dann arbeiten 4 oder bei einer empfohlenen maximalen Lerngruppengröße von 5 alle insgesamt an der Gliederung des Lerngebiets.
- Strukturiert die Inhalte und visualisiert das Ergebnis in einer Lernlandkarte in Form einer Mindmap.
- Die hierarchische Gliederung zeigt, welche Aspekte als Grundlage für andere zu lernen sind. Das ist wichtig für die Abfolge.
- Weist mit Verknüpfungen auf verbundene Inhalte hin.
- Notiert in der Mindmap entsprechende Quellen und Links zur ersten Orientierung.
- Schätzt ab, wie viel Zeit die verschiedenen Bereiche erfordern werden und erstellt einen Zeitplan.
Gib deinem LernCircle einen klaren Rahmen:
- Wo findet ihr zusammen: vor Ort oder remote?
- An welchem Wochentag und zu welcher Zeit findet die Austauschrunde statt?
- Wo sammelt ihr gemeinsame Notizen oder Learnings?
- Wie kann ein Lern-Buddy remote teilnehmen, wenn ihr euch an einem physischen Ort trefft?
- Macht einen Plan, wer welches Meeting für den Austausch moderiert, und wer jeweils die Zeit im Blick behält.
Haltet es so einfach wie möglich und macht es einander so einfach wie möglich, mitzumachen und dranzubleiben.
Inhaltliche Gestaltung: Lernpfad
Die Inhalte beispielsweise in den lernOS-Leitfäden sind typischerweise flexibel gestaltet. Schließlich sollen alle jeweils an ihren eigenen beruflichen Anforderungen orientiert den Fokus setzen oder Vertiefungen einbauen können. Damit werden neue Kompetenzen leichter im beruflichen Alltag einsetzbar. Diese persönliche Note ist einer der hervorragenden Pluspunkte im selbstgesteuerten Lernen.
Orientierung bietet für den Lernpfad die erstellte Lernlandkarte. In dieser Darstellung finden sich wichtige Inhalte und vor allem Zusammenhänge kompakt dargestellt.
Den Lernpfad könntest du auch alleine beschreiten – warum dann eine Gruppe?
Mehr Tiefgang ins Lerngebiet
Sie erweitert die inhaltliche Tiefe. Die unterschiedlichen Recherchen der einzelnen Buddies fördern weitere interessante Aspekte im Lernstoff zutage. Die Runde für den Austausch der Learnings untereinander gewährt dann allen den Einblick in verschiedene Perspektiven auf das zu lernende Themengebiet.

Herausforderung und Bonus durch aktives Lernen
Okay, das selbstgesteuerte Lernen baut auf Interesse und Motivation. Niemand kann sich hier von einer Lehrperson durch ein Lerngebiet ‚mitziehen‘ lassen. Es werden Eigeninitiative und Selbstdisziplin gefordert.
Die Gruppe hilft, das Feuer für das Themengebiet jede Woche aufs Neue zu entfachen. Es funktioniert wirklich, ich habe dieses Gefühl selber mehrfach gespürt. Schon oft sagte jemand: „Wenn wir den gemeinsamen Termin nicht hätten, wäre ich diese Woche abgesprungen.“
Bonus Flexibilität: Das selbstgesteuerte Lernen erlaubt, Umwege oder Exkurse zu machen. So verändert eine Gruppe den Lernpfad gemeinsam und setzt für sie passende Akzente. Oder Einzelne verabreden sich zu einem Termin zur Vertiefung eines Teilaspekts. Lies dazu meinen RabbitHole DeepDive-Beitrag.
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Warum ist das Peer Learning in LernCircles so wertvoll?
Eine Gruppe hilft besonders, wenn das selbstständige Lernen noch ungewohnt ist. So kann eine mögliche Überforderung abgewehrt werden, wenn jemand sich dieser neuen Herausforderung gemeinsam mit anderen stellt. Zusammen sorgen die Lernenden für eine gute Atmosphäre für den Kompetenzaufbau.
Unklarheiten und Verständnisprobleme der Lerninhalte kann die Gruppe schnell klären. Denn hier treffen Menschen mit verschiedenen Erfahrungshintergründen aufeinander. Wer solo in der Bearbeitung des Lehrstoffs auf solche Stolpersteine trifft, erlebt rasch eine Blockade. Im LernCircle dageben bleiben alle stärker motiviert, wenn sie solche Situationen gemeinsam entschärfen.
Jede und jeder nimmt mit individuellen Stärken und Wissen teil. Davon profitieren alle. Den jeweiligen Kompetenzaufbau erschließen die Teilnehmenden mit individueller Schwerpunktsetzung. Dadurch kommen verschiedene Blickwinkel oder Herangehensweisen zusammen: Das gewährt allen in der Austauschrunde einen deutlich vielschichtigeren Einblick ins Thema, als es vorgegebene Beispiele vermögen.
Eine Lerngruppe vertieft bestehende Kontakte oder erweitert das berufliche Netzwerk. Über Learning Circles knüpfen auch eher zurückhaltende Menschen in ihrem Tempo neue Kontakte, die ihnen über ihre konkrete Lernreise hinaus erhalten bleiben.
»Learning Circles tragen dazu bei, eine Kultur des kontinuierlichen Lernens zu etablieren. Sie sind ein wirksames Beispiel dafür, wie wir den Kompetenzaufbau kollaborativ und agil gestalten.« – Doris Schuppe
Moderation / Facilitation der Selbstlerngruppe

Unterstützung buchen für
den (ersten) LernCircle
Meine Begeisterung für selbstgesteuertes Lernen in einer Kleingruppe gebe ich gerne weiter. Wir finden für die Gruppe eine Terminserie, um das Lernteam entlang beispielsweiseder beliebten »lernOS Leitfäden« zu KI, Sketchnoting oder Community Management mit erfahrener Moderation durch die Austausch-Meetings zu navigieren.
Zur Vertiefung
- Fallbeispiel kiMOOC: Selbstlernkompetenz: lernOS, KI & #kiMOOC24 • Lerntagebuch • Lernreise #kiMOOC24 • Lerntagebuch #kiMOOC24 • Teil 2
- Fallbeispiel Sketchnoting: Sketchnoting zum Selbstlernen
- Fallbeispiel Community Management: meinZiel22: LernCircle Community Management • Online Whiteboard „lernOS Community Management Erfahrungsbericht #meinZiel22“ (‚Gastzugang‘ wählen)
- Fallbeispiel KI-Power für Frauen 45+ https://ki-campus.org/courses/kipowerfuerfrauenab45
- Fallbeispiel SchreibClub: Dankeschön, November SchreibClub
- Selbstgesteuertes Lernen: Herausforderung Selbstlernen anpacken
- Talk Selbstlernen meistern: Tipps von Christopher & Doris https://www.rayaworx.eu/blog/post/lernen-selbstlernen-coworking
- Randstad ›understanding talent scarcity: AI & equity‹: https://www.randstad.com/randstad-ai-equity
- ‚Suchmaschine‘ für Peer-Learning: Peerfinder https://web.peerfinder.app/de oder Peer 2 Peer University https://www.p2pu.org
- Lernlandkarten von neuland: https://www.neuland.com/collections/lernlandkarten
Illustration: DoSchu mit canva.com



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