»Wo fange ich an, wie steige ich jetzt ein?« Genau für diese Menschen bot ich meine Espresso-Session auf dem Barcamp ›Weiterbildung neu denken‹ im Dezember 2023 an: Für alle, die nur wenig oder gar keine Erfahrungen mit generativer Künstlicher Intelligenz gemacht haben.
Doris Schuppe • Der Beitrag Ooops, ich habe generative KI verschlafen – und nun? erschien zuerst im Blog DoSchu.Com • Update Juli 2025
Es ist völlig verständlich, dass gerade der eine oder die andere denkt: Hoppla, was habe ich denn hier verpaßt? Die Entwicklungen zu generativer Künstliche Intelligenz haben wahnsinnig Fahrt aufgenommen. Daher meine Empfehlung, spätestens jetzt einzusteigen. Eine Hilfestellung gab ich dazu in einer Barcamp-Session, die ich hier ebenfalls vorstelle.
Inhaltsübersicht OMG, ich habe generative KI verschlafen
Wieso interessiert mich generative KI?
Kurz ein paar Worte zu meinem persönlichen Hintergrund. Ich habe Ende der 1980er Biologie & Informatik studiert. In der Diplomarbeit untersuchte ich ein Thema in der Neurophysiologie und war Teil des Sonderforschungsbereich Mustererkennung. Alles sehr zu Beginn von everything – Computer, Internet, KI. Seit Teenagerzeiten lese ich Science Fiction, und aus diesem Gesamtkunstwerk an Hintergrund ist ›Künstliche Intelligenz‹ für mich ein Thema, wo ich auf jeden Fall immer einen Blick drauf werfe.
November 2022 dachte ich noch: ›ChatGPT‹ von OpenAI ist wieder so ein digitaler Hype, der durch die Straßen des Internets getrieben wird. Die Visionen aus Science Fiction-Romanen sind noch weit weg von uns. Trotz ›Siri‹, ›Alexa‹ oder auf welche Namen diese Helferlein hören. Vor einem Jahr stellte also OpenAI sein ›ChatGPT‹ der Öffentlichkeit vor. Und in 5 Tagen hatten sie 1 Million Nutzer:innen! Diese rasante Entwicklungsgeschwindigkeit hat in den letzten zwölf Monaten nicht nachgelassen.
Seit ich seit 1988 online unterwegs bin, schaue ich mir digitale Entwicklungen an. Dann entscheide ich, ob eine neue Lösung, Anwendung, Service oder Netzwerk zu einem Baustein in meiner persönlichen oder beruflichen digitalen Welt wird. Oder ob ihr Potenzial für Kundschaft, Kolleginnen oder Netzwerk-Kontakte innewohnt.



Digitales Barcamp ›Weiterbildung neu denken‹
Um die 150 Interessierte trafen in der Oberfläche von Gather.Town zusammen. Mit der Überschrift »Umbruch – Zeitenwende – Zukunftsvisionen. Was machen wir mit der KI und was macht die KI mit uns?« hatte das Regionalbüro für berufliche Fortbildung Baden-Württemberg neuerlich zum Online-Barcamp eingeladen. Vorab wurden Sessions gemeldet und im Sessionplan-Padlet beschrieben. Neu war das Prozedere, die Sessions jeweils vor den Runden vorzustellen.
Für den Einstieg gab es eine Keynote von Dr. Christoph Meier: »ChatGPT & Co. als persönliche Assistenzsysteme in der Weiterbildung«. Ich hatte bereits in einem lernOS-Redaktionstreffen von seinem Institut für Bildungsmanagement & Bildungstechnologien an der Universität St. Gallen gehört. So spannend wie das dortige Blog war auch die Keynote und Meiers Plädoyer, als Verantwortliche in Bildung & Personalentwicklung sich mit den neuen Tools vertraut zu machen. Er fordert, dass Lehrende darüber hinaus andere befähigen oder darin unterstützen, mit generativen KI-Anwendungen umzugehen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass bisherige Leistungsüberpüfungen infolge der neuen Werkzeuge entsprechende Weiterentwicklungen zur Anpassung bedürfen.
Sehr schön fand ich das Bild des Interns, das Meier bei ›WIRED‹-Gründer Kevin Kelly las. Blindes Vertrauen in die Arbeiten von Praktikantinnen oder Praktikanten war nie ein guter Rat. Wir denken hier wieder kurz an die schmerzhaften Erfahrungsberichte aus Unternehmen, die ihre Social Media-Kommunikation an Studierende oder Schüler:innen übergab, weil die sich ja mit der neuen Technik besser auskannten.



Sollten wir noch abwarten mit generativer KI?
Nein, lautet ist meine klare Antwort dazu. Ja, ich weiß, es ist noch so vieles im Fluss. Die Werkzeuge, die es hier zu entdecken gilt, sind noch in Entwicklung, finden erst ihre wahre Bestimmung oder wecken schon Begehrlichkeiten der großen Digitalkonzerne.
Jedoch: Es geht verdammt schnell voran in der Entwicklung von generativer KI. Und wenn ich eines aus den vielen Beratungen und Seminaren zu Social Media gelernt habe: Wer früh einsteigt, kann Überforderung vermeiden, kann mit der Entwicklung mitlernen, kann sich eine gute Basis für die Einschätzung bilden.

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Einstieg in generative KI
In der sportlichen halben Stunde der Barcamp-Session gingen wir diese Themen an. Die soziometrische Aufstellung am ›Pool‹ zeigte, innerhalb der Gruppe gab es jeweils zur Hälfte Menschen mit ersten Erfahrungen zu generativer KI und Menschen ohne jegliche KI-Kenntnisse.
Im Einstieg machte ich deutlich, dass ›Künstliche Intelligenz‹ menschliche Intelligenzleistungen imitiert. Es ist nicht unser ›Hirnkastl‹ in elektronischer Form, wie es oft bildlich dargestellt wird. Es ist ein System, das über selbstlernende Mechanismen verfügt und auf der jeweilig trainierten Datenfülle basierend Wahrscheinlichkeiten abschätzt. Dann ging ich anhand des in der lernOS-Redaktion von Simon Dückert entwickelten Bildes auf die Unterschiede von Künstlicher Intelligenz / Maschinelles Lernen / Deep Learning / generative KI und Modelle ein.
Für das Miterleben der Faszination von generativer KI nahm ich die Teilnehmenden mit: Als Praxisbeispiel wählte ich die Vorbereitung eines dreistündigen Workshops zu Design Thinking in mittelständischer Firma mit Teilnehmenden, denen das Konzept neu ist.
- Die Gliederung für den Workshop schrieb uns en detail ›Bard‹ (Google) innerhalb einer Minute.
- Von ›Gamma‹ bekamen wir in einer Minute einen 8-seitigen Präsentationsentwurf vorgestellt.
- Mit ›Fobizz Image‹ versuchten wir ein Bild für die Bewerbung des Workshops zu kreieren (das lief gar nicht gut*; ich habe mit Canva Magic Media für das Padlet nachgezaubert).
Die Beispiele sind in meinem Padlet zur Session dokumentiert.



Padlet Ooops, ich habe generative KI verschlafen
Das virtuelle Whiteboard Padlet nutzte ich für meine Handreichung zur Session. Gleich mit dem Hintergedanken, es zu veröffentlichen, damit auch andere damit ihren Einstieg finden.
Das sind die Bereiche des Boards kurz vorgestellt:
Willkommen! • Um was geht es hier, wer hat das Padlet erstellt, in welchem Rahmen wurde es erstmalig vorgestellt
Assistenz Erleben • Beschreibung der gemeinsamen Erlebnisreise zur Planung eines Workshops zu Design Thinking.
KI Basics • Wählt je nach individuellem Lerntyp aus den verschiedenen Angeboten für den Einstieg in das Thema generativer KI. Hier fügte ich aus einer Vorrunden-Session den sehr interessanten ›Baukasten KomKI‹ als weitere Facette hinzu. Wichtig sind mir hier die KI Guidelines, denen ich im Blog bereits einen Beitrag spendiert habe.
Experimentieren • Hier sind einige Tools gelistet, die DSGVO-konform genutzt werden können. Dazu der Hinweis auf den bald erscheinenden ›lernOS Leitfaden KI‹, der ebenfalls das Experimentieren anleitet. In dieser Spalte gibt es auch meine drei Tipps für den Einstieg in Seminare oder Meetings zu generativer KI.
Dranbleiben • Fürs kontinuierliche Mitlernen zu generativer KI stelle ich gute Quellen vor, die ich selber nutze.
Vertiefen • Wer tiefer in generative KI einsteigen will, findet in dieser Spalte erste Startpunkte.
Technik-Affinität: Ein Spektrum
Es ist völlig in Ordnung, dass Menschen erst jetzt auf generative KI aufmerksam werden. Bei Technologien gibt es Leute, die jeden Trend mitmachen (kostet viel Energie, Zeit, Budget). Von diesen Early Adopters können wir anderen lernen und potenzielle Fettnäpfchen oder Fehlinvestitionen meiden. Für den Bildungssektor gibt es die »Bleistift Metapher« (Pencil Metaphor). Hier werden die Lehrenden hinsichtlich ihrer Akzeptanz und Adaption neuer Technologien eingeteilt.
Das passt auch jenseits des Bildungssektors ganz gut. An welcher Stelle im Spektrum ihr euch wiederfindet, erklärt, warum ihr bereits mit generativer KI Kontakt aufgenommen habt oder noch abwartend an der Seitenlinie steht.
Wenn ihr zu der Gruppe ›I would …‹ (›Das Holz‹) gehört, freu ich mich von euch zu hören. Denn als jemand, die zwischen den beiden ›Spitzen-Positionen‹ oszilliert, mache ich gerne andere schlau und nehme sie mit auf die Reise zu neuen Technologien in Digitalien.
Fazit
Herzlichen Dank für das mega interessante Barcamp! Persönlich hat mich das positive Feedback auf meine Session sehr gefreut. Für die Teinehmenden war die Vermittlung meines Einstieg im Espresso-Format gelungen. Unser ›Fail‹ in punkto Prompt und Bildgenerierung in der Session war ein wichtiges Learning, wie auch eine Teilnehmerin anmerkte. Das räumte mit dem Unsinn von Vertreter:innen der Gruppen ›Anhängsel‹ ›Muffen‹ auf, die anderen anschaffen, mit generativer KI ›mal eben‹ die Firma zu retten.
Wie in der Frühzeit von Social Media: ›Herr oder Frau MüllerMeierSchmidt, das bisschen Facebook-Posten schaffen Sie doch nebenher!‹
So ein Post braucht je nach Plattform, Call-to-Action und Zielgruppe seine Zeit. Genauso gilt das für gute Ergebnisse mit generativer KI: Das aufwändige ›Prompt Engineering‹ ist gerade sehr gefragt. Die Länge der Eingaben an eine generative KI werden länger und genauer. Prompts für bestimmte Aufgaben werden sogar verkauft. Meines Erachtens nur eine Frage der Zeit, bis generative KIs gelernt haben, wie sie bessere Prompts schreiben als wir.
Das Beispiel der Präsentation, die uns das Tool Gamma in der Session erstellte, war auf den ersten Blick faszinierend. Geht ihr in die Tiefe merkt ihr oft sehr schnell, was ihr alles thematisch und angereichert mit Erfahrungswissen besser drauf habt.
Die generative KI hilft uns anzufangen. Und dafür ist es wirklich eine wunderbare ›Copilotin‹.
So viele Menschen klagen, der erste Schritt ist der schwerste. Das Ergebnis ist keine ›mal eben‹ erstellte fix & fertige Präsentation – da ist einfach noch viel mehr in eurem Kopf an Wissen oder Ideen, die generative KI (noch?) nicht erraten kann.
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Update Juli 2025
Mit diesem Video kannst du einfach nachvollziehen, wie generative KI trainiert wird und wie sie Inhalte für uns generiert:
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Links auf einen Blick
- Regionalbüro für berufliche Fortbildung Baden-Württemberg https://regionalbuero-bw.de/
- Barcamp Sessionplan 12. Dez 2023 https://padlet.com/esslingen/sessionplan-barcamp-12-12-2023-67o4lcrkyrnhc5ko
- Dr. Christoph Meier Keynote ChatGPT & Co.als persönliche Assistenzsysteme in Arbeits- & Lernwelten https://www.scil.ch/chatgpt-co-als-persoenliche-assistenzsysteme-in-arbeits-lernwelten-rbbw-barcamp-12-12-23/
- Mein Padlet Ooops, ich habe generative KI verschlafen https://padlet.com/dsraya/oops_ki_verschlafen
Illustration DoSchu mit CanvaCom • Screenshots aus Barcamp & Keynote Präsentation • Bildnachweis Bleistift Metapher https://open-educational-resources.de/die-bleistift-metapher-the-pencil-metaphor-in-deutsche-uebersetzt/ • Video WDR Sendung mit der Maus auf Youtube Juli 2025


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