Zur 6. und leider letzten Ausgabe des Netzwerkbooster Events eine ausführliche Würdigung dieser besonderen Veranstaltung. Welche Überlegungen stellten wir für den Event an, welche Plattformen wählten wir für das Konferenz- und Barcamp-Format, was war bei der letzten Ausgabe besonders schön … Sayonara und vielen Dank!
Doris Schuppe • Der Beitrag Online-Event galore: Netzwerkbooster. Ein Abschied erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Transparenzhinweis: Doris Schuppe war als Honorarkraft im Netzwerkbooster Event-Team tätig. Mit ihrer Firma COWOXU Mallorca / Rayaworx Coworking zählte sie zu einer der Sponsorinnen aller Netzwerkbooster Events.
Anfang April fand zum letzten Mal der Netzwerkbooster Event statt. Der Online-Event, der nicht nur Maßstäbe setzte in puncto ‚Wohlfühlen in einer Online-Umgebung‘! Die Macherin und Ideengeberin Ute Blindert verkündete auf der Hauptbühne das Ende der Events.
»Über die Jahre hatte ich 6 Ausgaben dieses digitalen Events veranstaltet. Angefangen hatte es im Oktober 2020 mitten während Corona als eine Veranstaltungs-Idee, um all die Unternehmer*innen, Selbständigen und Solopreneur*innen zusammenzubringen, die von der Politik an vielen Stellen allein gelassen wurden. … als eine Mischung aus Konferenz, Netzwerkveranstaltung und Barcamp – alles Elemente, die ich wahnsinnig liebe und für wichtig halte.« – Ute Blindert auf LinkedIn
Da ich wusste, was kam, klickte ich mich rasch aus der Bühne raus und seufzte lieber im Stillen ohne Publikum. Ute hat hat das Netzwerkbooster Event seit 2020 mit privatwirtschaftlichen Mitteln gestemmt – und viel bewegt. Das zeigen uns die zahlreichen Rückmeldungen nach den Events.
Ich klopfe hiermit Ute Blindert anerkennend auf die Schultern, drücke sie herzlich und lasse sie hochleben für die Kraft und Energie, die sie – unterstützt von einem kleinen Team – in diese Events gegossen hat.

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Technik für einen angenehmen Online-Tag
Als Technik-Fee und Expertin in Sachen Online-Konferenzplattformen nahm Ute mich damals mit an Bord. Ihre Idee für einen Event, der online stattfindet und trotzdem keine große Anstrengung für die Teilnehmenden sein soll, zeigte uns bald: ‚Zoom‘ ist da zu begrenzt, gibt viel zu wenig das Gefühl, gemeinsam auf einer Konferenz zu sein. Zudem wissen wir, dass viele die ständige Präsenz mit Kamerabild ablehnen und dann die Kamera ausschalten. Impulsgebende klagen, sie hassen es, in einen leeren Raum zu sprechen.
Zunächst gingen wir mit ‚Venueless‚ an den Start. Der Vorteil gegenüber Zoom-Konferenzen: Hier gibt es in einer Navigationsleiste am linken Rand eine Übersicht, welche Räume zur Verfügung stehen und auch die Hintergrundinfos für das Barcamp beispielsweise konnten hier perfekt im Zugriff eingehängt werden. Das mangelnde Miteinander und zufälliges Treffen lösten wir damals mit ‚Wonder‚ (R.I.P.), das wir perfekt wie einen weiteren Raum in ‚Venueless‘ einhängen konnten.

Schon im dritten Event 2022 nutzen wir ein Tool, das meiner Ansicht nach viel zu wenig bekannt ist. Denn es ist so genial, wenn es darum geht, einen Tag online mit parallelen Inhaltsangeboten und hoher Interaktion mit den Beteiligten geht. Auch für Online Collaboration, Workshops oder Lerngruppen ist es wunderbar. Wer mein Blog schon länger liest: Genau, ich spreche von ‚SpatialChat‚. Entwickelt und bis letztes Jahr angeboten aus Zypern, inzwischen wird es von einer Firma in den USA betrieben.
Was hier für uns mit ‚SpatialChat‘ für den Netzwerkbooster Event anders wurde?
Sag ich dir:
- In der Willkommen-Ebene können wichtige Informationen für den raschen Zugriff angetackert werden (Link zur Community, zum Session-Board, zur FAQ …)
- Die Navigation in der Seitenleiste zeigt die für den Event zur Verfügung stehenden virtuellen Räumlichkeiten.*
- Es gibt Bühnen für Hauptmoderation und Keynotes sowie Räume/Ebenen für die Interaktion.*
- Bei Klick auf ein Pfeilchen auf einem Raumeintrag werden die darin befindlichen Teilnehmenden gelistet, bevor der Raum angesteuert wird.
- In der Navigation mit der Liste der Teilnehmenden können deren aussagekräftig gestaltbaren Profile inklusive Links zu deren Profile zur Vernetzung betrachtet werden.
- In einer Ebene können die Teilnehmenden diejenigen laut und deutlich hören, die sich mit ihrem Miniatur-Kamerabild in der Nähe befinden.
- Teilnehmende können ihre Bekannten suchen und sich in ihre Nähe ‚beamen‘ lassen.
- Impulsgebende können den Hintergrund zur Spielfläche machen:
- Inhalte per Bildschirm-Teilen präsentieren und alles im Blick behalten.
- Folien mit Abstimmungen anlegen, auf denen die Teilnehmenden mit ihrer Kamerabild-Miniatur ‚herumlaufen‘ können.
- Mit dem Stiftsymbol etwas markieren, auf Details hinweisen, was nach einer kurzen Zeit wieder vergeht.
- Rasch Notizzettel als Stimmungsbild von den Teilnehmenden erstellen lassen.
- Google-Dokumente oder Miro-Whiteboard direkt gemeinsam in der Oberfläche von Spatial.Chat bearbeiten.
- Breakout-Rooms im Raum anlegen, die das Gespräch zu dritt oder zu zweit vertraulich machen; alle können sich in der Ebene sehen und auch etwaige Anleitungen im Blick behalten.
- Sie können Spielpläne anlegen, um 2 Gruppen mit unterschiedlichen Informationen zu versorgen, die dann einem Tisch diskutiert werden.
- Ein Präsentations-PDF hochladen, das gemeinsam oder individuell durchgeblättert werden kann; optional können sie es zum Download freigeben oder sperren.
- Auf der Bühne kann ein Miro-Whiteboard direkt präsentiert und editiert werden – ohne den Chat und die Teilnehmenden aus dem Blick zu verlieren.
- …
*Venueless kann das auch.



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Strukturen für einen entspannten Online-Tag
Technik und Plattformwahl ist eines der Geheimnisse für einen entspannten Online-Tag. Die Programmplanung ist die andere. Die Formate, Themen und Impulsgebenden sind wichtig, damit alle den verschiedenen inhaltlichen Angeboten entgegenfiebern. Interaktive Elemente im Programm sorgen für die Abwechslung zwischen Aufnehmen von Impulsen und selber Teilgebende:r zu sein. Einschalten, zuschauen und dann abschalten – das wollten wir verhindern.
Durchschnaufen
So hatte jedes Netzwerkbooster Event mindestens 2 aktivierende Sport-Pausen im Angebot. Da können wir unsere Nackenmuskulatur lockern und den Kreislauf in Schwung bringen lassen. Wir hatten Yoga, Pilates, Fitness, … Jedes Mal präsentierte jemand anderes, um auch in diesem Thema mit neuen Impulsen und Lust für Bewegung in der Pause (und darüber hinaus) zu sorgen. Pausen sind überhaupt das Zauberwort: Nicht zu lang, dass dann doch Mails bearbeitet werden, und nicht zu kurz.
Was wann wo?
Für einen entspannten Online-Tag ist Orientierung sehr wichtig. Ich sprach bereits die Plattform mit Angeboten für den Überblick an. Weiter helfen die eMails, die Ute im Vorfeld schrieb, eine ausführliche FAQ-Seite und das Angebot, am Vorabend die Konferenztechnik kennenzulernen. Weiterer Pluspunkt: Das Goodie-Bag, das Ute liebevoll für jede:n packt und versendet. Darin finden die Teilnehmenden einen gedruckten Fahrplan durch den Tag, um ihn gut sichtbar in der Nähe des Monitors zu platzieren. Für die Orientierung haben wir bis mittags immer jemanden vom Team in der Welcome Lounge, der weiterhilft und unterstützen kann.



Interaktion
Im Fahrplan von Anfang an dabei: Das Barcamp am Nachmittag. Sessions dafür stellten die Teilnehmenden im Vorfeld auf einem ‚Padlet‘-Whiteboard schriftlich vorgestellt. Auch am Tag selber konnten bis mittags weitere Vorschläge eingereicht werden. Vor der Mittagspause wurde dann ein Stimmungsbild eingeholt, damit wir wussten, welche stark nachgefragten Themen lieber in verschiedene Barcamp-Runden zu verteilen sind. Der Plan für dieses interaktive Austauschformat klebte dann sowohl in der Welcome-Lounge als auch in der Info-Ebene.
Liberating Structures
Apropos Interaktion: So wie ich ist auch Ute großer Fan der Liberating Structures. Für den 2025er Event bauten wir daher aktivierende Elemente in den Tagesplan ein:
- Mit einem Impromptu Networking brachte Ute die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch: In privaten Besprechungs-Bubbles tauschten sie sich zu zweit zu den Fragen aus, die Ute mit auf den Weg gab.
- Nach der Keynote von Maren Martschenko „Mach’s dir einfach: Mach’s SMART!“ lud Birgit Nieschalk zum Drawing Together ein. Thema: „Ich mach’s mir leicht!“. Die Queen of Liberating Structures in Köln erklärte die fünf Symbole, die für die Zeichnung genutzt werden. Und dann ging es ans Aufzeichnen des Wegs zu den persönlichen Zielen 2025 mit diesen fünf Elementen. Im anschließenden Austausch zu dritt in einer Besprechungs-Bubble geben die beiden anderen ihre Interpretation der Zeichnung an. Sie nehmen darin andere Dinge wahr und geben neue Ideen oder Perspektiven.
- Vor der Mittagspause nahm Ute dann alle mit ins Troika Consulting. Ich liebe diese Struktur, in der sich drei Menschen gegenseitig Feedback zu einem Problem, einer Herausforderung, einem Konzept oder einer Idee geben. In den Fokus stellte hier Ute die Gedanken zur größten Hürde, die bei der Erreichung des persönlicen Ziels 2025 im Weg stehen könnte.
- Zum Start in den Nachmittag gaben drei Praktikerinnen im UX Fishbowl aus ihren Themenbereichen Antworten auf Utes Frage „Welche Methoden kannst du anwenden, die dir den Alltag in deinem Business erleichtern?“: Simone Naumann, Christina Winter und Doris Schuppe. Dann war ein Platz frei für Teilnehmende, die aus ihrem Bereich passende Inspirationen beisteuerten.
»Wir haben wir noch mal ein großes i-Tüpfelchen auf die Interaktion der Teilnehmenden drauflegen können!« – Doris Schuppe
Puh, so viel Programm! Wie gut, dass wir jedes mal an eine Chillout-Area denken. Ein Entspannungsraum, in der niemand laut quatschen, keinen Bildschirm teilen, Notizen schreiben oder etwas hochladen kann. Ruhe eben. In diesem Ruheraum können Teilnehmende während des Netzwerkbooster Events eine Auszeit nehmen und ganz entspannt ‚Hühner-TV‘ gucken. Ich wollte ja gerne mal endlos Wellen mit Meeresrauschen einblenden … aber nein: Ute – und wir anderen alle inzwischen auch – lieben es, einer Gruppe Hühner nahezu endlos beim Picken, Herumlaufen, Auffliegen und Gackern zuzuschauen.
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Kein leichter Abschied …
Dir ist sicher nicht verborgen geblieben: Ich liebe den Netzwerkbooster Event. Die Entscheidung, diese großartige Veranstaltung einzustellen, kann ich gut nachvollziehen. Und doch bin ich traurig, dass ich mit Ute keine Diskussionen führen und Ideen austauschen werde zur Planung des nächsten Events. Das Veranstaltungsdesign veränderten wir jedes Mal mit den Rückmeldungen, mit unseren Erfahrungen und experimentellen Ideen. Das macht die sechs Ausgaben so besonders.
Es ist nun Energie frei für Neues. Wer eine Sparringspartnerin für innovative Online-Events an der Seite braucht, darf sich gerne bei mir melden.
Ich danke Ute ganz herzlich für die grandiose Zusammenarbeit.

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Links zur Vertiefung
Netzwerkbooster Event
- Netzwerkbooster Event Landing Page
- Utes Linkedin Post zum letzten Netzwerkbooster Event
- Mein Beitrag „So funktioniert virtuelles Netzwerken im Rayaworx Blog zum Netzwerkbooster Event
- Blick hinter die Kulissen des Netzwerkbooster Events (Youtube)
- Wie geht Netzwerken in digitalen Zeiten? Online Salon Cortado mit Ute Blindert (Youtube)
Liberating Structures

Es war ein richtig geiles Format! Ich war bei jeder Ausgabe dabei, ab der zweiten auch als Sponsorin, weil ich Utes Netzwerkbooster Event für einzigartig wertvoll, inspirierend und lebendig hielt. Das Spannende war: Bis heute habe ich keine Online-Konferenz erlebt, die sich so anfühlte, als wäre ich mit allen zusammen live vor Ort – ohne reisen zu müssen. Ihr hattet auch ein extrem gutes Gespür für die Themen und die Technik. Ein Dreamteam. Ich bin ein bisschen wehmütig, weil es nun nicht mehr stattfindet.
Liebe Marken, wie schön, dass wir mit unserer Herangehensweise dir das Gefühl von Präsenz und Gemeinschaft vermitteln konnten, auch wenn wir uns nicht physisch getroffen haben. Ich kann deine Wehmut sehr gut verstehen, und doch bleibe ich zuversichtlich für Events in der Zukunft, die ebenso inspirierend und lebendig sein werden :)
Vielen Dank für deine wertschätzenden Worte und Unterstützung!