Vom Algorithmus-Stress zum ‚Peace out‘
Seit vielen Jahren oder besser Jahrzehnten bewegen wir uns nun im digitalen Raum wie in einer erweiterten Realität. Manches ist für uns dadurch leichter geworden. Zum Beispiel der Kontakt mit lieb gewonnenen Menschen, die nicht mehr in unserem direkten Umfeld leben. Oder der regelmäßige Austausch mit anderen, die gleiche Interessen teilen.
Manches fällt jedoch zunehmend schwerer.
Doris Schuppe • Der Beitrag Deine Community: Social Media ohne Ads & Algos erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Überblick „Deine Community: Social Media ohne Ads & Algos“
- Toxische Orte in Digitalien
- Miteinander & Vertrauen
- Verbinden statt spalten
- Abschied von Social Media?
- Hilf mit und mache Alternativen bekannt
- Noch eine persönliche Erfahrung zu Coworking & Community
- Pro Community!
- One more thing • Anmerkung zu 'Peace out'
- Links • Deine Community: Social Media ohne Ads & Algos
- Wer schreibt hier für dich
-`ღ´-
Toxische Orte in Digitalien
Social Media, die als virtuelle Treffpunkte begannen, entwickelten sich zu Orten, die immer weniger dem positiven Erleben des Miteinanders dienen. Wo Reichweite und Werbefähigkeit die Oberhand gewinnen, erhalten polarisierende Effekthascherei und damit einhergehend Desinformation und aufgeheizte Stimmung zu viel Raum. Für uns Einzelne wurde und wird es aufwändiger und undurchsichtiger, zwischen wahrhaftigen und verfälschten Informationen zu unterscheiden.
Eine Aufgabe, die durch erleichterte Erstellung von Fälschungen und DeepFakes mit generativer Künstlicher Intelligenz noch erschwert wird. Oder sagen wir es wie es ist: Für Menschen, die sich weder hobbymäßig noch beruflich mit solchen Methoden oder Entwicklungen beschäftigen, unmöglich ist.
Was mir persönlich hilft sind authentische menschliche Verbindungen und Organisationen, die sich genau um das kümmern wie AlgorithmWatch, Correctiv.Faktencheck, Mimikama plus ganz neu und wundervoll FunFacts.de (genau was ich sage: Wissensvermittlung darf und sollte unterhaltsam sein!)
-`ღ´-
Miteinander & Vertrauen
Mir geht es hier jedoch um die zwischenmenschlichen Verbindungen, denen ich vertraue. Dieses Vertrauen baue ich langfristig auf: durch Gespräche, gemeinsame Aktivitäten, Austausch zu Erlebnissen, über interessante Artikel oder Bücher. Dazu gehört auch die Bereitschaft zuzuhören, dranzubleiben, also im Gespräch zu bleiben, mich selbst und meine Einschätzungen zu Themen zu hinterfragen.
Im Studium fiel mir das in meiner Universitätsstadt so leicht. Ich glaubte wirklich lange Zeit, das wäre ein Prozess, der überall stattfindet. Später lernte ich: Andere, die in Großstädten studieren oder eine Ausbildung machen, bewegen sich gar nicht in so einem Umfeld von Gemeinschaft und Miteinander, das war ein Privileg, das ich erleben durfte. Und ich bin froh darum. Denn durch diese Jahre erfuhr ich, wie wichtig dieses Miteinander ist. Darüber habe ich übrigens schon mal im Blogbeitrag Was schreibe ich und warum erzählt, falls dich das interessiert.
Wo können heute diese vertrauensvollen Verbindungen wachsen?
Vereinzelung & Teile und herrsche
Kennst du noch den Spruch ‚Teile und herrsche‘? Oder aus dem Latein ‚divide et impera‘? Ich lernte es im Asterix-Comic kennen. Sinngemäß handelt es sich ja laut Lateinunterricht um den römischen Grundsatz, die Herrschenden sorgen für ihren Machterhalt dafür, ihre gegnerischen Gruppen zu spalten, damit sie sich eher gegenseitig bekämpfen als Allianzen zu schmieden.
Auch im fraglichen Comic-Band »Streit um Asterix« läuft ein Zwietrachtsäer durch die Geschichte, der mit kleinen Sprüchen und Falschdarstellungen sogar Asterix und seinen Buddy Obelix gegeneinander aufbringen. Kommt mir doch irgendwie bekannt vor.
Das ‚divide et impera‘ passt leider ziemlich gut auf heutige Informationsumwelten: überwältigende Informationsfluten, gezielte Desinformation und Fake News können faktisch dazu führen, dass Wahrnehmung, Vertrauen und Entscheidungsfähigkeit extrem fragmentiert werden.
Es gibt so viele Dinge, die auf uns einprasseln, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben. Klingt nach einem wunderbaren Ablenkungsmanöver aus der Antike, das in der modernen Welt noch besser funktioniert. Oder wie würdest du es bezeichnen, wie die Grundlage, auf der wir unsere Entscheidungen treffen, manipuliert werden kann? Mit unserer alltäglichen digitalen Informationsflut wirkt das Ganze noch effektiver und lähmt unsere Entscheidungsfähigkeit.
Schrumpfendes Umfeld? Coworking!
Denn durch die zunehmende Vereinzelung der Gesellschaft fehlen vielen von uns im Alltag die Menschen, mit denen wir Eindrücke oder aufgeschnappte Informationen teilen, die uns helfen, diese zu sortieren, einzuordnen oder durch andere Perspektiven einen umfassenderen Blick darauf zu bekommen.
Meiner Beobachtung nach verlernen wir das gerade besonders im Homeoffice oder als Soloselbstständige. Vielleicht findest du in deinem persönlichen Umfeld eine weitere Perspektive einer Person, der du vertraust. Kennt diese sich in allen Themenbereichen aus, zu denen heute eine Einschätzung von uns sozusagen verlangt wird? Daher setze ich persönlich auf etwas größere Gemeinschaften, in denen gegenseitiges Vertrauen aufgebaut wurde. Beispielsweise in einem Coworking Space kleiner bis mittlerer Größe. Am liebsten von der Inhaberin oder dem Inhaber mit Herzblut geführt, damit Vertrauen wachsen kann.
Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich darüber bin, 2009 ‚Coworking‘ als berufliche Community im ‚daily business‘ kennengelernt zu haben! Und es auch weiterhin leben und erleben zu können.
Gerade durfte ich unserer virtuellen Coworking Community cowirkSPACE gleich dreifach miterleben, wie wichtig es ist, dass andere Menschen gemeinsam mit dir auf deine persönliche Situation blicken und dir vor allem zuhören. Die dir durch coPräsenz und Zuhören helfen, während du das erzählst, zu verarbeiten und selber auf eine Lösung zu kommen. Und dich dann darin bestärken, diese Lösung anzugehen und zu verfolgen.
Und wo haben wir dazu heute noch Gelegenheiten?
Ich denke, es ist heute und in Zukunft extrem wichtig, dass wir uns in Communities des Vertrauens bewegen; digital dabei auf Plattformen, die weder auf Angstmache noch auf Polarisierung setzen.
-`ღ´-
Verbinden statt spalten
Anstatt sich an der Polarisierung zu beteiligen, setze ich auf Verbindungen. Auf Netzwerke, auf Miteinander und Kooperation. Auf Gemeinschaften, die werteorientiert sind. Die beispielsweise den Coworking Werten folgen:
- Collaboration • Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zum Zuhören, zur Unterstützung bei Bedarf, auch wenn die Einzelnen im Berufsleben klassisch als Konkurrenz betrachtet werden.
- Community • Statt nebeneinander oder nur in abgetrennten Räumen zu arbeiten sorgen sowohl die Community Hosts als auch alle Einzelnen dafür, dass ein Miteinander in einer vertrauten Atmosphäre entstehen kann.
- Openness • Grundsätzlich besteht eine Aufgeschlossenheit und Offenheit den Menschen gegenüber, die in den Coworking Space kommen. Das vertrauensvolle Miteinander in der Community ist kein Ausschlusskriterium für neue Perspektiven und Lebensrealitäten. Die Community ist bereit, sich weiterzuentwickeln.
- Accessability • Die Zugänglichkeit des Coworking Space wird oft mit der Erreichbarkeit im verkehrstechnischen Sinne oder dem Abbau von baulichen Barrieren. Zugänglichkeit verstehe ich auch auf der menschlichen und sozialen Ebene, was ich als deutliche Signale und Hinweise auf die Offenheit der Community beziehe.
- Sustainability • Verkürzt wird hier die ökologische Nachhaltigkeit gesehen, wichtig ist genauso eine ökonomische Nachhaltigkeit, damit die Community langfristig besehen kann.
Das kann eine Coworking Community sein, wenn sie auch Qualitäten eines so genannten Dritten Orts aufweist. Das sind Begegnungsorte, die den Austausch untereinander mit Menschen ermöglichen, die weder zur Familie noch zum Kreis der direkten beruflichen Kolleg:innen zählen. Die Bedeutung dieser Dritten Orte arbeitete Ray Oldenburg anhand der Reißbrett-Vorstädte in den USA heraus.
Verbindungen von Mensch zu Mensch
Auf meinem Vision Board prangte Ende Dezember Community als wichtigstes Thema der kommenden Jahre. Denn genau hier wachsen diese vertrauensvollen Verbindungen, die in der Vereinzelung unserer Gesellschaft an vielen Stellen verloren gehen. Bei Soloselbstständigen und Freelancer beobachten wir das auch sehr häufig.
Mein Ziel ist es daher, gemeinschaftliches Miteinander und Füreinander noch mehr zu stärken. Ich engagiere mich weiter dafür, Räume zu schaffen, in denen Verbindungen wachsen können. Räume im weitesten Sinne dabei verstanden als Events wie Barcamps oder Netzwerktreffen, Coworking im physischen oder virtuellen Raum, LernCircles, Dranbleibgruppen wie mein SchreibClub oder Skool-Communities, in denen Menschen sich vernetzen, gegenseitig inspirieren sowie von- und miteinander lernen, um sich weiterzuentwickeln.
»Verein‘ und leite!«
Übrigens regte die ‚Teile und herrsche‘-Strategie schon Goethe im 19. Jahrhundert an. Der Dichter veröffentlichte in einem sehr langen Gedicht unter anderem diese Zeilen:
»Entzwei‘ und gebiete! Tüchtig Wort;
Verein‘ und leite! Beß’rer Hort!«
Goethe 1815 in »Sprichwörtlich«
Die Perplexity-KI suchte mir das Original heraus und in unserem Diskurs sieht sie ebenso in Zeiten von Informationsüberflutung den Leitgedanken »Verein‘ und leite!« als Gegenstrategie: Gemeinsame Orientierung schaffen, statt Polarisierung und Vereinzelung zu verstärken.
-`ღ´-
Abschied von Social Media?
„Aber Doris, wir haben hier doch alles in Social Media! Bei der Werbung schau ich halt vorbei“, höre ich oft als Einwand.
Hm, aber hast du dich nicht letztens erst beschwert, dass du kaum Posts von den Leuten angezeigt bekommst, denen du folgst?
„Ach ja, naja. Bei Insta nervt das, vor allem da ich jetzt oft eine kurze Werbepause bekomme, bevor ich weiterscrollen kann. Bei Facebook bin ich sowieso meistens nur in meinen Gruppen, und vieles läuft ja sowieso jetzt über Whatsapp.“
Na ja, wäre es nicht schön, wenn die Nutzenden (vorwiegend die Inhaltsanbietenden) eine Plattform für das digitale Miteinander finanzieren, damit es keine Werbeeinblendungen und Aufmerksamkeit steuernde Algorithmen braucht?
„Schön schon, aber du weißt ja, alle sind ja noch da. Und eine neue Oberfläche, ich weiss nicht.“
Ja, ja: Die lange Zeit, die Plattformanbieter wie Meta die Nutzenden an sich binden konnte, läßt sich nicht leicht abschütteln. Und okay, zu Beginn haben die diversen Plattformen, die aktuell in der Kritik stehen, auch einiges für unsere virtuelle Vernetzung getan. Keine Frage.
Viele von uns wußten: Irgendwann kommt die Rechnung. Wir bezahlen mit unseren Daten, füttern die Datenspeicher für das Werbetracking.
Tja, nur weil eine Plattform, ein Unternehmen einige Zeit etwas Sinnvolles und Nützliches in die Welt gebracht hat, kann und muss sich unser Verhältnis zu ihnen verändern, wenn sie gesellschaftliche Werte mit Füßen treten.
Angesichts des aggressiven Verhaltens von Plattformen oder einer Plattform, …
- … die mit Algorithmen arbeiten, die nach Werbegeld und Reichweiten schielend den Fokus weg von den mit mir vernetzten Menschen ziehen;
- … die mit Fokus auf Klickzahlen polarisierende Inhalte favorisieren, die durch stetige Desinformation anstacheln können;
- … die intern den Abbau von Faktencheck-Teams betrieben hat;
- … die intern Personalkürzungen in Teams vornahm, die für ein wertschätzendes Miteinander Sorge trugen;
- … die ohne Beanstandung Werbung von Werbepartnern weiterleitet, die betrügerische Absichten hegen;
angesichts dieses aggressiven Verhaltens ordneten und ordnen viele ihre persönliche und berufliche Social Media-Landschaft neu.
Aggression? Peace out!
Aggression kommt vor, jedoch nicht mehrheitlich, selbst wenn es in der heutigen Zeiten so wirken mag, als sei Aggression okay oder gesellschaftlich gar begrüßenswert. Social Media-Algorithmen nutzen gerne biologische ‚Trigger‘ aus und füttern uns mit Content, um Empörung oder Wut auszulösen. Warum: Weil es leider die Verweildauer erhöht. Schlimmer noch: Fühlen wir uns bedroht, reagieren unsere Körper mit dem archaischen ‚Fight-or-Flight‘-Überlebensmodus. Oder mit Schockstarre.
Wenn mir also jemand damit kommt, der Mensch sei biologisch auf irgendwas ausgelegt, dann ist es Aggression zu kontrollieren. Als Neurophysiologin erkläre ich gerne, dass wir modernen Menschen mit dem so genannten ‚präfrontalen Kortex‘ einen Teil im Gehirn entwickelten, der als ‚Vernunftzentrum‚ bezeichnet wird. Klingelt was? Genau, dieser Teil des Gehirns ist dafür zuständig, vernünftig zu handeln, Impulse zu hemmen.
Wir Menschen haben wie unsere Vorfahren in der Evolutionsgeschichte das biologische Potenzial für Aggression, genauso –und ich würde sogar behaupten noch stärker– sind wir ‚von Natur aus‘ auf Kooperation programmiert.
Community in Digitalien
Und deswegen finde ich es so wichtig, dass wir nicht vergessen, wie wichtig Communities für uns sind. Digital findet deren Miteinander unter Umständen eben dann, sorry, Social Media, auf anderen Plattformen statt! Diese für viele ungewohnten und neuen digitalen Orte müssen wir jedoch bekannter machen. Ich halte seit Jahren die Augen offen, welche Alternativen vorhanden sind. Wo kann ich eine eigene Community aufbauen? Welche Plattformen helfen mir dabei ohne Algorithmen und Werbeeinblendungen? Dazu schrieb ich bereits den Blogbeitrag Wo (m)eine Community starten? Da kannst du gerne reinschauen und dir eine passende Community-Lösung aussuchen.
Daher kann ich sagen: Ja, es gibt andere Plattformen, die das Thema Community unterstützen. Die das Miteinander fördern, den sozialen Kit, den Austausch von verschiedenen Perspektiven, das gemeinsame Lernen, das voneinander Lernen in den Fokus stellen. Eine davon ist zum Beispiel die Plattform namens Skool, auf der ich angedockt habe. Ich war auf der Suche nach Alternativen, die nicht aggressionsgesteuert daherkommen, die für Solopreneure oder Lerngruppen wirtschaftlich nachhaltig sind, die Optionen für das Lernen und direktes Kommunizieren vereinen.
Messenger = Community?
Ich bin ja nicht blind: Die Richtung geht in sehr vielen Bereichen zu Messenger-Lösungen wie WhatsApp, Signal oder Telegram. Gerade WhatsApp wurde sofort beim Rückzug aus Social Media zum favorisierten Vernetzungsinstrument einiger Bubbles um mich herum. Klar, dass kennen die meisten schon. Tragischerweise zählt auch diese Lösung zu dem Player, der am stärksten in der Kritik an Social Media steht. Und nun dort plant, seine Werbung auszuspielen.
Für eine Gruppe, in der mehr als 50 oder 100 Leute aktiv sind, stellt WhatsApp keine vernünftige Community-Lösung dar. Das ist einfach nur Abstrahlen mit Informations-Overload, einhergehender Überforderung und Stummschaltung. Und ganz ehrlich, ich schaff das nicht. Ich gucke in diese Gruppen vielleicht alle zwei Tage mal rein, denke, ach ja, das wäre nett gewesen, aber für minütliches Bombardement mit wild aufeinanderfolgenden Hinweisbrocken habe ich keine Zeit.
Ist das Community? Fördert das den Austausch, das Miteinander, das voneinander Lernen?
Kurz zum Vergleich Skool dazu
Auch hier kann es sein, dass in einer großen Community minütlich Beiträge veröffentlicht werden. Diese grundlegenden Funktionen der Plattform Skool helfen mir, keine Überflutung wie bei WhatsApp zu erleben:
- Jeder Beitrag in einer Community muss einer vorgegebenen Kategorie der Gruppe zugewiesen werden. Das ist mein erster Filter bei vielen Inhalten in regen Gruppen.
- Beiträge werden mit einer Titelzeile prägnant hervorgehoben, darauf folgt ein kurzer Anfang aus dem Post. So kann ich rasch entscheiden, welcher Post für mich relevant ist. Ich muss nicht wie bei WhatsApp die komplette, durchaus lange, uninteressante Nachricht abscrollen.
- Auf einen spannenden Post reagiere ich direkt mit einem Kommentar, der unter diesem Beitrag angezeigt wird. Anders als das wilde Durcheinander von Posts, Antworten auf den Post vor zehn Minuten bei Messengers habe ich die Diskussion in Skool wohldosiert sortiert.
-`ღ´-
Hilf mit und mache Alternativen bekannt
Weise auf Alternativen hin, wenn eine Gruppe in Social Media plötzlich zu einem Messenger wechselt. Die Lösungen sind da, leider oft nur zu wenig bekannt.
Schau, das Thema Videokonferenz war vor 2020 ein Nischenthema. Ich weiß es, weil ich war schon jahrelang mit Webinaren für die Kundschaft aus der IT aktiv. 2020 wurde es auf einmal zu einem Thema für alle. Und dann beschwerten sich viele darüber, dass es ja keine vergleichbare Videokonferenz-Lösung aus Deutschland oder Europa gebe. Tja, Leute, weil es vorher einfach nur die Nerds und digitalen Pionierinnen genutzt haben. Was nicht genutzt wird, bekommt kaum Geld für die Entwicklung.
Inzwischen haben auch andere Lösungen eine Chance erhalten, und wir können in Europa auf Alternativen setzen. Schau dir gerne dazu meine Blogbeiträge zum DIDay an. Das Umdenken und Finanzieren von alternativen Lösungen ermöglicht dir heute eine deutliche breitere Auswahl als vor sechs Jahren.
Und genau das Gleiche gilt auch für das Thema digitale Community
Warum Xing seine Gruppen eingestellt hat weiss der Geier. Warum Linkedin seine Gruppen nicht vernünftig ausbaut, weiss ebenso niemand. Facebook hatte dann einige Zeit lang die wirklich besten digitalen Gruppen am Start und diese auch zum Kommunikations- und Werbefokus gemacht.
Die Alternativen sind da, nur kaum genutzt. Wenn wir die Community-Plattformen, auf denen wir eigenständige Communities ohne Werbeeinblendungen und Trigger-Fokus haben können, leben können, anbieten können – dann sollten wir das unterstützen.
Damit wir das Vertrauen im Rahmen einer digitalen Community aufbauen können, in der wir auch tatsächlich diskutieren. In der wir uns ab und zu live von Angesicht zu Angesicht austauschen können, was zum Beispiel auf Skool super einfach möglich ist.
-`ღ´-
Noch eine persönliche Erfahrung zu Coworking & Community
Damals in München im combinat56 in Westschwabing und aktuell besonders in der virtuellen Coworking Community cowirkSPACE findet ein respektvoller Umgang statt. Anders als in Unternehmen weitgehend hierarchiefrei und auf gleicher Augenhöhe. Wir stärken einander, helfen weiter und oft finden Veränderungen ‚en passant‘ statt, weil wir mit anderen Menschen regelmäßig in Berührung kommen und wir bei ihnen etwas sehen, das uns inspiriert.
Zum Beispiel hat Beate Mader im cowirkSPACE erzählt, dass sie endlich angefangen hat, ihre Blogbeiträge zu vertonen, also eine Audiospur zum Anhören anzubieten.
Resepkt!, dachte ich! Denn das wollte ich schon seit Jahren, aber irgendwie ging es mir nicht von der Hand. Vor allem weil ich auch einen hohen Video-Anspruch hatte. Und dann habe ich Beates Beispiel genommen und mein Projekt reaktiviert. Eben nur Audio wie du es hier zu Beginn des Blogbeitrags siehst und dazu ein bisschen Video, wie es auch andere Podcast-Hosts inzwischen machen, die ebenfalls Youtube als weiteren Kontaktpunkt nutzen.
Social Media Nostalgie
Wer sich deutlich später oder erst gestern mit Social Media befasst hat, erlebt diese digitalen Welten sicherlich anders als ich. Als das Ganze losging, hatte ich und so auch andere einen gewissen Anspruch an Social Media, um uns zu vernetzen, ein virtuelles Miteinander zu erleben, endlich mit den Menschen im Austausch zu sein, die zu einem Nischenthema wie wir total verstreut im deutschsprachigen Raum und der Welt leben.
Die Nische in der Twitter Community war Zeit lang eine sehr, sehr wichtige Community für mich. Und da fiel uns bei den Veränderungen dieser Plattform unser Miteinander einfach weg, für das wir keine Alternative zur Hand hatten. Klar gab es andere Lösungen, nur wer hatte sie bis dahin genutzt?
Ich bin jetzt zum Beispiel bei BlueSky, treffe da leider nicht alle von Twitter wieder. Ich bin auch bei Mastodon aktiv, dort ist auch nur ein kleiner Teil meiner Twitterati-Bubble hingegangen. ‚Was weg ist, ist weg‘, heisst es ja. Dann ist es Zeit für neue Ideen, die ich persönlich parallel seit längerem mit neuen Ansätzen verfolge.
Zum Beispiel mit der virtuellen Coworking Community im Wohlfühl-Clan des cowirkSPACE.
-`ღ´-
Pro Community!
Und deswegen bin ich eine starke Community-Fürsprecherin. Ich finde, es ist spätestens jetzt Zeit, sich mit diesem Thema stärker auseinanderzusetzen, damit wir Communities für vertrauensvolle Verbindungen reaktiveren, intensivieren oder aufbauen. Im cowirkSPACE erlebe ich nahezu täglich wie wichtig diese Gemeinschaft ist. Für mich und für andere. Auch virtuell können wir Menschen uns nahe kommen. Das ist eine Frage der Haltung, des Mindsets.
Dieser Blogbeitrag entstand übrigens in den mittwochmorgendlichen SchreibClub-Sessions, die ich seit Jahren anbiete. Dieses Mal in mehreren dieser Stunden zwischen 7:30 und 8:30 Uhr. Denn ich brauchte etwas länger, um über die Themen nachzudenken, bestimmte Erlebnisse nochmal wieder in mein Hirn zu holen.
-`ღ´-
One more thing • Anmerkung zu ‚Peace out‘
Im Gespräch mit Gemini über meine Titelzeile ‚Peace out‘ im Kontext des Blogbeitrags freute ich mich über diesen Satz:
Während ‚Peace out‘ heute oft eher lässig oder fast schon ironisch-retro verwendet wird, war es früher ein echtes Statement für Zusammenhalt in der Community.
– Gemini Chat
Passt doch prima. Auf geht’s!
-`ღ´-
Wer schreibt hier für dich

Doris Schuppe ‚DoSchu‘ ist die Autorin dieses Beitrags • Moderatorin von Begegnungsräumen im digitalen Zeitalter – Barcamp, Coworking, Community, LernCircle, SchreibClub – mit Herz & KI-Kompetenz • Autorin von Blogs & Books »ALLES FAKE!? Mit Fiona generative KI entdecken« & »Heiter bis wolkig in Digitalien«.
Host von cowirk.SPACE, Rayaworx Mallorca & Peer Learning Community.
Gerne unterstütze ich dich / dein Team als Consultant oder Moderatorin.
-`ღ´-
Links • Deine Community: Social Media ohne Ads & Algos
- Mein Perplexity-Thread zu ‚divide et impera‘ siehe https://www.perplexity.ai/
- Streit um Asterix 1973 siehe https://asterix.com
- Wenn der Schein trügt – Deepfakes und die politische Realität siehe https://www.bpb.de
- Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt (Studie Okt 2025) siehe https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/ (PDF)
- AI Isolates Humans in „How AI Destroys Institutions“ https://papers.ssrn.com/
- Große Mehrheit erkennt in Desinformation eine Gefahr für Demokratie und Zusammenhalt siehe https://www.bertelsmann-stiftung.de/
- Meta shuts down global accounts linked to abortion advice and queer content berichtet der Guardian https://www.theguardian.com/
- Bericht: Meta konnte betrügerische Werbung zurückdrängen, hat aber aufgehört schreibt Heise News https://www.heise.de/
- Reuters Social Media-Report: Meta tolerates rampant ad fraud from China to safeguard billions in revenue https://www.reuters.com/
- WhatsApp-Gruppen vs. Community-Plattform: Ab wann du wechseln solltest von Community-Anbieter coapp https://www.coapp.io/
Illustrationen: DoSchu mit Canva.com

1 thought on “Deine Community: Social Media ohne Ads & Algos”