Dies ist ein Beitrag zur Blogparade #8sammeln. Für den 8. Dezember notierte ich eine Achstamkeitsübung im Kalender. Die Methode ›8sammeln‹ ermuntert, einen Tag lang acht mal bewußt die Sinnesantennen auszufahren, um deren Wahrnehmungen wertfrei zu notieren.
Doris Schuppe • Der Beitrag 8sammeln • Achtsamkeits-Methode erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Klingt wie Meditation. Die jedoch habe ich bislang nie acht mal am selben Tag praktiziert. Irgendwann ist immer ein erstes Mal. Anders als bei der Meditation ist, die Empfindung zu notieren und zu bewerten. Am 8. Dezember, einem Freitag, hatte ich dann meine erste Verabredung mit meinen 8 Achtsamkeiten.

Unsere Sinne
Der Aufruf zur Teilnahme im Blog von Susanne Wagner stand im Dezember unter dem Titel »Monotone Routinen oder Wahrnehmungssymphonie?«. Den ganzen Tag über sehen, hören, riechen, fühlen, spüren, schmecken wir. Ein Rauschen auf allen Sinnesebenen, von dem wir vieles wegfiltern, ohne dass wir da bewußt eingreifen. Was dennoch Energie verbraucht. Je lauter unsere Umgebung, desto mehr Leistung investieren wir in das Filtern der Sinneseindrücke, die uns interessieren oder interessieren müssen.
Meine Mama trägt seit vielen Jahren Hörgeräte. Und ich sage euch, alleine das Filtern relevanter Hörinformationen aus dem Sound-Hintergrund ist für die Technikkästchen je nach Umgebung eine krasse Herausforderung. Unsere Hirnareale, die den vom Gehör weitergeleiteten Sound-Brei verarbeiten, leisten das Tag und Nacht. Wir ›gewöhnen‹ uns an Geräusche – wie im Dreimühlenviertel die nächtlichen Güterzüge auf der lauten Eisenbrücke über die Isar –, es kostet dennoch Schlafqualität.
Und vielleicht kennt ihr von eurem Sehsinn, wie Energie gespart wird. Das Sehen dominiert die Sinne des Menschen im Normalfall. Viel zu tun! Also spart das Hirn Aufwände. Es wertet Sinneseindrücke von Dingen, die wir tagtäglich sehen, nur unaufmerksam aus. Das Bild besteht bereits im Kopf und wird hinzugerechnet. Wenn ihr selber keine Brille tragt, bemerkt ihr selten das neue Modell im Gesicht der Menschen, die mit euch in einer Wohnung leben. Ein Experiment: Stellt den Salzstreuer auf ein Marmeladenglas beim Frühstück – die anderen werden lange danach suchen.
Ihr merkt, die Sinnesphysiologin in mir bricht hier durch. Schon aus dieser Perspektive war es mir eine Freude, die Einladung zum ›#8sammeln‹ im Dezember anzunehmen.
„Am 8. des Monats lade ich dich dazu ein, während des Tages acht Momente zu «sammeln», in denen du voll «bei Sinnen» bist. Du siehst etwas, du hörst etwas oder eine andere Sinneswahrnehmung macht dich aufmerksam auf inneres oder äusseres Geschehen.“ – Susanne Wagner Mehr vom Leben haben: Anleitung zum 8SAMMELN
Meine 8 Achtsamkeiten am 8. Dezember
1/8 Oh!
Es hat in der Nacht tatsächlich geregnet. Die Luft ist feucht und riecht leicht modrig. Ich spüre, wie sehr ich mich auf den morgendlichen Gruß von Frau Sonne gefreut hatte. Zu gerne wollte ich davon berichten. Jetzt bleiben mir bleigraue und schmutzigorange Farben wahrzunehmen. Das Dunkelgrün des üppigen Gummibaum im Nachbar-Innenhof und die hellgrünen Tupfer von Aeonium helfen. Farbklecks ist die über Nacht zum Trocknen herausgestellte Nikolausmütze mit Öhrchen einer bekannten Maus. Statt schönem Griff alles plitschnass.
2/8 Good Vibrations.
Ah, die Vibrationsplatte tut wieder gut. Da spüre ich die Verspannungen, die das viele Schreiben mit sich bringt. Oooh und aaah. Wohlige Wärme durchzieht meinen Körper. Meine Muskeln lockern sich spürbar. In meinen heutigen Yoga-Übungen nachgespürt, wie flexibel alles wieder ist. Mein leise gesungenes Lieblings-Mantra »Ad Gureh Nameh« bringt mich nach der Meditation wieder mit einer lang verflossenen Yoga-Gruppe in Verbindung.
3/8 So leise.
Ich bin auf dem Dach, um die üblichen Geräusche des erwachenden Tages in unserem kleinen Städtchen wahrzunehmen. Aber nein: Ruhe. Wind fächelt leiste unsere eingefahrene Sonnenbeschattung. Keine knatternden Mofas, keine Geschwindigkeitsrekorde in der 90-Grad-Kurve. Kein Gehupe. Da fällt es mir wieder ein: Hier ist heute Feiertag!
4/8 Frau Sonne!
Ich spüre die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht. Das Weiß der flockigen, großen Wolken am Himmel strahlt. Dazu das Blau des Himmels – wunderschön für mich, die Blau liebt. Das Grün der Pflanzen auf der Terrasse und im Patio leuchtet im Sonnenlicht. Ein Dschungel-Paradies im Kleinen, gehegt und gepflegt von Rainer.
5/8 Wind.
Der Wind frischte auf. Ich schließe die Augen und lausche dem Geklapper der Blätter im großen Gummibaum nebenan. Die kleinen Vögel sind gerade nicht zu hören, und auch heute morgen waren sie ruhig. Dafür knattert die kleine Fahne, die diese Woche an der Kirche aufgezogen wurde. Im Nachbarhof hebt sich das Sonnensegel im Wind lautlos, um mit sattem ›Plopp‹ abzusinken.
6/8 Lila Lavendel.
Ich nehme die Blüte des Lavendels vorsichtig zwischen meine Finger und sauge ihren Duft ein. Der Geruch weckt die Erinnerung an duftende Lavendelfelder in der französischen Provence. Kein Vergleich mit dem künstlichen Lavendelduft, der uns mit Kerzen und anderem angedreht werden will. Einfach umwerfend köstlich ist der Duft der natürlichen Lavendelblüte. Ich denke daran, meiner Mama mal wieder ein Glas südfranzösischen Lavendelhonig zu bestellen. Der schmeckt einfach am leckersten.
7/8 Süß.
Schon wieder notiere ich: Wie das duftet! Ich sperre die Wohnungstüre auf, und es riecht köstlich. Rainer hat Pasta mit Bolognese-artiger Sauce gekocht. Blöd, dass mir das gekörnte Soja erst spät in die Hände fiel. Die kulinarischen Ergebnisse sind wunderbar und fühlen sich beim Genießen an wie fleischhaltige Bolognese. Heute liegt ein süßlicher Duft darüber, und genauso ist der Geschmack deutlich süßer als gewohnt. Es sind die Karotten, stellen wir beide gleichzeitig fest. I like it.
8/8 Zitronen.
Diesen Freitagabend gibt es einen Gin Tonic. Die Flasche »Wanderlust« brachten uns die wanderbegeisterten Freunde aus München mit. Vielen Dank! Und mir fällt wieder ein, wie es vor langer Zeit in der Münchner Hinterhof-Destille aussah und roch, in der diese Firma ihren Anfang machte. Im Glas das endlich wieder erhältliche Tonic Water, das nur leicht perlt beim Trinken und vor allen Dingen angenehm im Hintergrund bleibt. Dazu dünne Zitronenschalen, die über dem bauchigen Glas gedreht wurden, um die Aromen freizulassen. Aah, das duftet herrlich nach Zitrone. Danke an die lieben Bekannten und Freund:innen, die uns mit ungespritzten Zitronen aus ihren Gärten beschenken! Ich denke an einen Fühlingsabend auf der Burg von Salobeña in Andalusien. Dort trank ich den ersten Gin Tonic meines Lebens, als ich gemeinsam mit meiner besten Freundin Sprachurlaub machte. Und genauso unvergessen das Dinner mit Gin-Verkostung auf Mallorquí in der Cala Santanyí, zu der wir unverhofft eingeladen waren in den ersten Wochen unseres Umzugs nach Mallorca.

Fazit #8sammeln: Wahrnehmungssymphonie.
Eine schöne Erfahrung, eine wunderbare Methode. Tatsächlich spüre, fühle, denke ich viele der Dinge sonst auch, die ich hier notierte. Anders als an diesem Dezember-Tag spüre ich ihnen nur selten nach, lege ich mich nicht derart in sie hiein.
Pause • Eine nützliche Anregung für diejenigen, denen es schwerfällt, kleine Pausen zu machen. Nehmt euch 8 Aufmerksamkeiten vor – egal wann am Tag – und schon habt ihr acht kleine Pausen.
Plan • Fürs Dranbleiben und Erinnern legte ich mir für den Tag in meinem Journal eine Seite mit acht Flächen an. Darin notierte ich mir handschriftlich, was ich in den acht Momenten der Aufmerksamkeit spürte, fühlte und dachte.
Fotos • Neben den Notizen machte ich Fotos, wenn ich dran dachte und mir danach war. Denn ich stellte fest, das Fotografieren lenkte mich ab. Ein paar der Fotos habe ich daher im Nachhinein an einem Stück gemacht.
Vielen Dank für meine 8 Achtsamkeiten an Susanne Wagner.
P.S.
Aeonium • Die Pflanze bezeichnen hier viele als ›Mallorca Rose‹. Sie kommt mit Blättern in grüner bis roter, violetter und gar schwarz anmutender Färbung vor. Es ist ein Dickblattgewächs, das Wasser in den leicht fleischigen Blättern speichern kann. Die botanische Bezeichnung ›Aeonium‹ stammt aus dem Grieschischen und steht für ›ausdauernd‹ und ›ewig‹. Der Name passt perfekt, finde ich. Das genaue Portrait der Pflanze gibt es hier https://de.wikipedia.org/wiki/Aeonium.
Mallorca • Wer mehr Impressionen zum Leben auf der Sonneninsel aus meiner Feder lesen möchte: Im Blog 2go2-Mallorca gibt es Beiträge und Fotos von Rainer und mir. In Buchform kannst du Beschreibungen in »Heiter bis wolkig in Digitalien« lesen, das ich im Frühjahr veröffentlicht habe.
Fotos: DoSchu • Illustration: DoSchu mit canva.com • #8sammeln-Grafik mit freundlicher Genehmigung von Susanne Wagner atemsinn.ch

Liebe Doris
Ich freue mich darüber, wie du über deine „erste Verabredung mit 8 Achtsamkeiten“ berichtest. So sorgfältig zu den erlebten Wahrnehmung und wie du es ganz individuell gestaltet und dokumentiert hast! Herzlich Willkommen in unserer „kleinen und feinen“ #8sammeln-Community, die du mit deinem Beitrag bereicherst – Grüsse und bis zur nächsten Austausch-Gelegenheit – herzlich, Susanne
Hallo DoSchu,
schön, dass du auch achtsam sammelst. Ich habe deinen Beitrag gerne gelesen.
Herzlichst, Silke