Vom Mut, nochmal anzufangen.
Kennst du das, dass du deinen Lebenslauf frisierst, damit er geradlinig, lückenlos und beeindruckend wirkt? Kommst du schon ins Schwitzen, wenn es eine zeitliche Lücke von auch nur einem Monat gibt?
Doris Schuppe • Der Beitrag Wenn dein Lebenslauf nicht ‚passt: Vom Mut, nochmal anzufangen erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Dies ist ein Beitrag zur Blogparade »Was ich mir für mein Berufsleben gewünscht hätte und was ich heute anders mache« von Brigitte Kleinhenz, an der du noch bis zum 2. August 2026 teilnehmen kannst. Infos siehe Links zu diesem Beitrag.
Ich wünsche viel Mut bei Rekrutern, Personalabteilungen und Führungskräften, die Geschichte hinter den Stationen im polierten Lebenslauf zu hören, anstatt nur Titel zu lesen oder unklare Zeiträume aufzuspießen. Gerade in der rasch verändernden VUCA-Welt sind Offenheit, Veränderungsfähigkeit und Kreativität so wichtig.
VUCA steht für V wie Volatility also Unbeständigkeit),
U wie Uncertainty also Unsicherheit, C wie Complexity also Komplexität
und Ambiguity also Vieldeutigkeit.
Durch mein früh erwachtes Interesse für die Online-Welt war ich einige Zeit für mache Recruiter schwer fassbar. Gerne werfe ich einen Blick zurück und teile mit dir meine Gedanken über Anfänge und Wendepunkte in meinem beruflichen Leben.
Wünsche vor der Berufstätigkeit
Okay, dann gehen wir mal zurück auf Start. Als ich das Studium Biologie/Informatik mit Diplom abschloss, stand als Wunsch finanzielle Unabhängigkeit auf meiner Liste ganz oben. Ich hatte Jahre hinter mir, wo ich aufgrund BAföG-Förderung und fünfsemestriger Grundstudium-Sonderlocke knapp bei Kasse war. In der kleinen Universitätsstadt gab es nicht viele Möglichkeiten zum Arbeiten neben dem Studium. Das hatte ich wirklich zu sehr unterschätzt.
Andere konnten in den Semesterferien ihre finanzielle Lage durch die Arbeit in der Firma der Familie aufbessern. Mir blieben die verschiedensten Jobs bis hin zur Unterstützung bei der Organisation eines Drehorgel-Festivals. Das schulte mich darin, die Augen aufzuhalten und mutig sich bietende Gelegenheiten beim Schopfe zu fassen.
Zum Beispiel bewarb ich mich im Hauptstudium als Tutorin in der Biologie und dann in der Informatik. Das liebte ich, ich war mit Leib und Seele Tutorin im zoologischen Bestimmungskurs, und ich war auch super gerne Tutorin in der Informatik. Es machte mir Spaß, Menschen zu helfen in einem neuen Themengebiet Fuß zu fassen. Im Nachhinein wichtige Meilensteine der Erkenntnis über meine verborgenen ‚Superkräfte‘, die ich beruflich später als Dozentin oder in Workshops zu nutzen wußte.
Wie geht Wirtschaft?!
Mein Wunsch mit dem Diplom in der Tasche: Wer erklärt mir ausgebildeten Wissenschaftlerin jetzt, wie ein Unternehmen funktioniert? Niemand hatte 1990 auf die vielen Biolog:innen gewartet. Obwohl Umweltschutz oder Ökologie in aller Munde waren, gab es kaum neue Stellen dafür. Und Informatik? Zu früh.
Damals wünschte ich mir ein Mentoring, das mir hilft, aus den akademischen Strukturen und Prozessen in betriebliche Strukturen und Prozesse reinzuwachsen. Interessanterweise konnte ich meine Frustrationen und damit verbundenen Learnings später nützlich einsetzen: Wenn im Job eine Kollegin frisch von der Uni anfing, konnte ich ihr meine Unterstützung anbieten, um die betrieblichen Abläufe und Unterschiede schneller zu verstehen.
Vom goldenen Käfig
Oder: Warum der PR-Erfolg mich ausbremste
Im offiziellen Lebenslauf liest sich meine Zeit als PR-Spokesperson für den deutschsprachigen Raum bei CompuServe wie eine Trophäe. Das war damals ein begehrter Job, gutes Gehalt, viel Verantwortung, große Bühne. Von der Fachjournalistin über PR Specialist zu PR-Chefin, ein Traum, oder? Wer rockte damals schon Pressekonferenzen auf der CeBIT mit 250 Teilnehmenden?
Zwischen den Zeilen des Lebenslaufeintrags steht etwas ganz anderes: Ich fühlte mich extrem ‚gebunden‘, dass ich mich selbst gar nicht mehr spürte. Da fallen mir die Zeilen im Lied »Guten Tag« ein:
Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück.
Ich tausch nicht mehr, ich will mein Leben zurück.
Guten Tag, ich gebe zu, ich war am Anfang entzückt.
Aber euer Leben zwickt und drückt, nur dann nicht, wenn man sich bückt.
Guten Tag!
Wir sind Helden 2002
Wie eine berufliche Position, die zu Beginn begeistert, dann plötzlich zwickt. In der ich mich nicht mehr frei genug bewegen kann. Bei mir war es die Zeit bei CompuServe, in der ich merkte: Hier steht zwar ein großer Titel an der Tür und im Lebenslauf, aber ich verliere mich selbst. Berufliche Freundschaften standen unter dem Damokles-Schwert des unbeabsichtigten ‚Leakens‘ einer Information.
Private Zeit wurde zu einem extrem kostbaren Gut. Ganz besonders nach der Übernahme durch den Konkurrenten, der mir jede Menge Verwaltungsebenen über mir bescherte, die ich im schnelllebigen PR-Geschäft frustrierend abzuklappern hatte. Mit Blick auf diese Station im Lebenslauf sehe ich vor allen Dingen Klarheit. Ein Moment, in dem mir klar wurde, dass mich mein ’sensationeller‘ Karriereschritt zwar begeisterte, gleichzeitig meine Freiheiten enorm einschränkte. Eine wichtige Erkenntnis für mein weiteres Arbeitsleben.
Wie meine Position Mobbing provozierte
Nachdem ich in einer spannenden Position als deutschsprachige Chefredaktion für ein IT-Kundenmagazin die Redaktions-Workflows und Textzulieferungen entwickelt hatte, lockte mich meine frühere PR-Chefin in ein Start-up. »Das macht sich gut im Lebenslauf, Doris!«, duldete sie kaum meinen Widerspruch. Und dann ließ sie das damalige Zauberwort fallen, das mich schließlich überzeugte: »Wir planen den Börsengang!«
Als Quereinsteigerin war zu der Zeit die Begleitung des Börsengangs eines Start-ups gleich auf zwei Ebenen verlockend. Zum einen gab es Aktien für die Mitarbeitenden, die im Bekanntenkreis den einen oder anderen bereits zu einem kleinen finanziellen Polster verhalf. Zum anderen war danach klar: Ich bin mit allen Weihen des PR-Business versehen. Ich entschied mich vor allem für den Job, weil ich mich auf das neuerliche gute Miteinander mit der damaligen PR-Chefin freute.
Die Position zog unerwartet den Neid einer länger im Start-up tätigen Mitarbeiterin auf mich. Sie hätte gerne aus ihrer Vertriebsposition die Managementrolle PR/Marketing übernommen. Also bekam ich erst mal ein berufliches Mobbing ab, das gar nicht einfach zu erkennen war. Dann erfuhr ich völlig verdattert – im Gegensatz zu ihr –, dass auf Betreiben des Investors die Führungsebene mit vertrauten ‚Koryphäen‘ besetzt wurde. Mein neuerliches Duett mit der PR Europa-Chefin war Geschichte.
Nur nebenbei bemerkt, die Firma ist bis heute nicht an der Börse.
Warum ich ‚Überqualifzierung‘ als Unwort ansehe
Ich war also neuerlich auf der Suche, denn in so einer wichtigen Position muss die Chemie zwischen mir und der vorgesetzten Führungskraft stimmen. Mein Lebenslauf fing an, mich zu nerven. Bewarb ich mich für niedriger angesiedelte Positionen, prallte ich gegen eine gläserne Wand: ‚Sie sind überqualifiziert für den Job.‘ Oder: ‚Sie wollen ja sicher bald wieder zurück in die PR-Chefetage, oder?‘
Niemand schenkte mir Vertrauen, dass ich den einst mühsam erklommenen goldenen Käfig verlassen wollte. Mein Lebenslauf schränkte mich ein, weil Führungskräfte und Recruiter darin nur meine Vergangenheit sahen. Es war schwer, die kennenzulernen, die mein Potenzial für ein neues – gemeinsames – Kapitel erkannten.
Dankbarkeit für ungeahntes Startkapital
Denkst du, ich bereue es, damals die PR-Karriere angestrebt zu haben? Nein, wirklich nicht. Diese dann zur Seite gelegte Laufbahn war meine Ausbildung auf zwei Ebenen:
- Ich habe viel darüber gelernt, wie Kommunikation wirkt, wie Medien und Menschen ‚ticken‘.
- Vor allem aber wurde ich dort mit dem damals in den US prägenden Spirit ‚geimpft‘: Coole Idee? Lass es uns ausprobieren! Wenn es scheitert, lernen wir daraus und probieren dann das Nächste.
Letzteres wurde für mich zu meiner persönlichen Leitschnur bei jedem Restart, den ich danach gewagt habe.
Nur Mut: Starten ins Unbekannte
Diese Haltung bietet im deutschen Unternehmens-Umfeld immer wieder Grund zum Anecken. Ich sehe wie im Konzept Agilität das zeitnahe Scheitern durch Ausprobieren als Gelegenheit zum Lernen, zur Verbesserung. Andere suchen noch heute vor jedem Kurswechsel die zehnjährige Sicherheitsgarantie mit doppeltem Boden. Ich dagegen setze auf die Chancen und sorge dafür, dass die Idee mit gewissen Sicherheiten ans Fliegen kommen und sich dann beweisen kann.
Letztlich brachte mich dieses Mindset zur Selbstständigkeit. Ich war es müde, langwierig Erlaubnis einzuholen, um dann plötzlich doch wieder ausgebremst zu werden. Bei den webgrrls stand ich schon lange im regelmäßigen Austausch mit Freelancers und Selbstständigen. Das motivierte mich, mich ebenfalls mit dieser Art der beruflichen Tätigkeit zu befassen.
Welchen Rat würdest du deinem jüngeren beruflichen Ich heute geben?
… fragt Brigitte in ihrer Blogparade. Tatsächlich beantwortete ich diese Frage schon 2021 im Interview mit Beate Mader unter dem Titel »Tipps an mein gründendes Ich«. Ich habe das noch mal rausgezogen, und ich muss sagen, die 5 Empfehlungen passen auch für den beruflichen Start.
Empfehlung Nummer 1
Meinem jüngeren ‚beruflichen Ich‘ möchte ich zurufen, habe keine Angst vor der Selbstständigkeit: »Du hast mehr Optionen, als du denkst!« Du kannst in die angestellte Tätigkeit gehen, und du kannst genauso in die Selbstständigkeit gehen. Lass die Grübeleien, dass du nicht aus einer Familie von Selbstständigen kommst!
Empfehlung Nummer 2
Rede mit anderen über deine Selbständigkeit, deine Positionierung oder als Angestellte über dein berufliches Aufgabenfeld. Nicht nur introvertierte Menschen, zu denen ich mich durchaus lange zählte, brauchen diesen Schubs. Nur wenn andere mehr von dir wissen, können sie dich bei passender Gelegenheit weiterempfehlen.
Empfehlung Nummer 3
Dazu passt meine dritte Empfehlung, beruflich mit einem Umfeld statt allein voranzugehen. Nach dem Studium versuchte ich das, jedoch verstreuten wir uns viel zu schnell in die Welt. Ein kleines Unistädtchen bietet nur wenige Möglichkeiten für die ans Studium anschließende Berufstätigkeit. Mit meinen Erfahrungen in beruflichen Netzwerken und besonders der Coworking-Erfahrung seit 2009 weiß ich: Es ist prima, mit anderen Menschen darüber zu reflektieren, was wir gerade beruflich tun, zu experimentieren und gemeinsam Dinge voranzutreiben, uns gegenseitig unterstützen – Stichwort Peer Learning. Docke in einer Coworking Community an – entweder lokal in der Nachbarschaft oder digital. Oder bilde mit anderen eine verbindlichere Mastermind-Gruppe, die sich regelmäßig trifft.
Empfehlung Nummer 4
Sei sichtbar als Solopreneurin oder als Mitarbeiterin im Unternehmen – das musste ich selber lange lernen. (Siehe der Hinweis auf meine Introvertiertheit; ich weiß, das glaubt mir heute niemand mehr, war aber so.) Nur wenn du kommunizierst, was dich ausmacht, nehmen andere dich wahr. Es fällt leichter, dich zu empfehlen, und es macht ‚Klick‘ bei potenziellen Auftraggeber:innen oder Führungskräften, wenn deine Kompetenzen und Art zu arbeiten passt.
Empfehlung Nummer 5
Komme und bleib im Team ‚Never Stop Learning‘: Sei neugierig, bleib neugierig und lerne jeden Tag etwas dazu. Mit dieser Haltung stößt du einfach immer wieder neue Türen auf. Meiner Ansicht nach mein wichtigster Tipp an mein beruflich startendes Ich! Bewege dich aktiv in fachlichen Communities, nehme vielfältig Inspirationen auf, um neue Wege für dich entdecken zu können.
Was ist beruflicher Erfolg heute für Dich?
… fragt Brigitte in ihrer Blogparade. Nun, für mich ist beruflicher Erfolg, dass die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, ein Stück weiter gekommen sind, zufriedener sind, eine neue Kompetenz gelernt haben oder sich souveräner in ihrem digitalen Umfeld bewegen. Bei uns im Coworking Space of Mallorca werte ich es als beruflichen Erfolg, wenn Menschen nach einer Woche, nach einem Monat weggehen und sagen ‚Wow, das war eine tolle Zeit, ich habe was für mich neu gelernt‘.
Denn wir stecken so oft im beruflichen Hamsterrad, das wir nur für den Urlaub verlassen. Danach geht es wieder genauso ‚rund‘. Durch die Coworker auf Workation, also Arbeiten und Freizeitnutzung im Ferienparadies, erlebe ich immer wieder mit, wie Menschen plötzlich ihre eigene Art zu arbeiten entdecken oder wieder entdecken. Das finde ich super wichtig, zu erkennen, was ist für uns individuell wichtig, was brauchen wir, um unsere beruflichen Aufgaben gut erledigen zu können. Dann erst sollte die Frage kommen, wie vereinbaren wir das mit den Prozessen im Unternehmen, oder mache ich mich selbstständig, um anders und mir mehr entsprechend arbeiten zu können.
Und jetzt?
Herzlichen Dank an Beate Mader, dass sie uns im Online SchreibClub der cowirkSPACE-Community auf die Blogparade von Brigitte Kleinhenz aufmerksam gemacht hat!
Zeitlich passt die Fragestellung für mich optimal. Denn gerade stecke ich in der Überprüfung und Neuausrichtung meiner Selbstständigkeit im Coaching mit Uwe Bothe. Da lerne ich viel und gehe einiges neu an. Hier schon mal ein Vorgeschmack:


Livestreams »Erfahren. Ehrlich. Selbstständig.«
Nach den Online Salon-Livestreams lautet das Oberthema jetzt »Erfahren. Ehrlich. Selbstständig«. Ende Juli 2026 geht es los. Und ich freue mich, dass ich bereits die ersten Gesprächspartnerinnen für meine neue Livestream-Serie gefunden habe: Beate Mader, Hilge Kohler und Catharina Wilhelm.
In den Talks des Livestreams geht um echte Erfahrungen von Solo-Selbstständigen. Sie erzählen uns von ihren Herausforderungen und Veränderungen, um uns Mut zu machen, selbstständig zu sein, mit veränderten Bedingungen umzugehen und entsprechend sich wieder neu aufzustellen. Bewusst auch dieses Mal im Livestream-Format, damit ihr die Gelegenheit habt, uns eure Fragen ins Studio zu senden. Speicher dir schon mal die Landing Page, auf der du bald mehr Infos findest.
Und du so?
Nimmst du auch an der Blogparade teil? Wie blickst du auf deinen beruflichen Lebenslauf?
Links zu »Wenn dein Lebenslauf nicht ‚passt’«
Viel Vergnügen beim Weiterstöbern in den Links zu diesem Beitrag:
- Blogparade »Was ich mir für mein Berufsleben gewünscht hätte und was ich heute anders mache« von Brigitte Kleinhenz https://brigittekleinhenz.com/blog/business/blogparade-berufsleben/
- Tipps zum Lebenslauf im gleichnamigen Schwerpunkt auf Karrierebibel https://karrierebibel.de/lebenslauf/
- Song »Guten Tag« in Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Guten_Tag_(Lied)
- Interview »Tipps an mein gründendes Ich« mit Beate Mader https://visionhochdrei.de/doris-schuppe/
- Rayaworx Coworking Mallorca https://www.rayaworx.eu
- Online-Coworking Community cowirkSPACE https://cowirk.SPACE
- »Einfach Neukunden PRO« ist die Skool Coaching Community von Uwe Bothe, der dort auch eine kostenfreie Community »Einfach Neukunden FREE« anbietet
- Alle Folgen des Livestreams »Online Salon« by DoSchu
- In Vorbereitung: Livestreams »Erfahren. Ehrlich. Selbstständig«
Illustration: DoSchu mit Canva.com • Screenshot aus VisionHochDrei-Blog umgesetzt mit Canva.com • Transparenzhinweis: Für den Beitrag habe ich mit Gemini über die Stationen in meinem Lebenslauf ausgetauscht



