Bloggen – mehr als nur Texte im Web
Gleich zu zwei Einladungen schreibe ich diesen Blogartikel darüber, was und warum ich schreibe. Und wieso das viel mehr ist, als einen Text ins Web zu stellen. Zur Lesung aus meinem neuen Buch schrieb jüngst die Veranstalterin im Anschluss „Frauen schreiben für Frauen“ – das setzte bei mir einige Gedanken in Gang, die ich hier ebenfalls mit dir teile …
Doris Schuppe • Der Beitrag Was schreibe ich und warum • Bloggen – mehr als nur Texte im Web erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
„Was ich schreibe und warum„, – fragt Inge Bateman in ihrer Blogparade*.
Nun. Ich schreibe Kurshandbücher, Blogs und Bücher. Inzwischen habe ich 350 Blogbeiträge allein in diesem Blog verfasst. 2010 startete ich als Soloselbständige dieses Blog: DoSchu.Com. Einerseits als begleitendes Blog und Teil meiner Kommunikationsstrategie, um nachhaltig Futter zu meinen Fähigkeiten und konkreten Dienstleistungen für Recherchen via Suchmaschine anzubieten. Andererseits für ein ’schriftliches Kennenlernen‘ vorab, wenn Auftraggebende gerne vor dem ersten Gespräch mehr über eine freie Mitarbeitende erfahren möchten.
Darüberhinaus schreibe ich mein Blog DoSchu.Com, weil ich durch das Schreiben verschiedene Themen genauer fasse. Da es sich an eine Öffentlichkeit richtet, bemühe ich mich, möglichst verständlich zu sein. Blogschreiben hilft enorm, Gedanken zu sortieren.
In Lerntagebuch-Beiträgen oder Erfahrungsberichten zu Methoden oder Tools lasse ich mir in meinem Blog von anderen über meine virtuelle Schulter schauen. Oft bekomme ich als Rückmeldung, dass jemand etwas erfolgreich für sich ausprobiert hat, nachdem die Person darüber meinem Beitrag gelesen hat. Oder sie hat sich überhaupt getraut, ein Tool auszuprobieren – so groß noch immer die Verunsicherung, ‚etwas versehentlich kaputt zu machen‘.
Und schon ist Bloggen so viel mehr als nur ein Text im Web – daher ist dies auch ein Beitrag für das aktuelle Thema der #Blogwochen2025.**
Und, ja, ich gebe es zu: Ich liebe es zu schreiben.
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„Frauen schreiben für Frauen“,
… betitelte Carmen García vom Women’s Network Mallorca ein Foto von mir. Ich schreibe zwar nicht ausdrücklich für Frauen, sondern halte es wie eine berühmte Autorin aus Frankreich – aber dazu später mehr.
Als ich anfing, über Technologie zu schreiben, stellte ich schnell fest, wie viele Frauen sich von diesen Themen eingeschüchtert fühlen. Oder der Meinung waren und sind, nicht ‚technisch genug‘ eingestellt zu sein. Ich versuche, ihnen eine Brücke zu bauen, und mache komplexe Sachverhalte verständlich. Technologie betrifft uns alle – und es ist wichtig, mehr darüber zu wissen, um diese aktiv mitgestalten zu können.
Meine Blogbeiträge und Bücher ermutigen, machen neugierig und sind eine Facette, damit sich Frauen in der digitalen Welt sicherer bewegen.

Tja, und dann gab Carmen dem Ausschnitt in einem Video diesen Titel „Frauen schreiben für Frauen“.
Es entstand während meiner Lesung in der Olivenmanufaktur Can OmXai, Santanyí. Dort waren wir mit dem Women’s Network Mallorca zu Besuch, um mehr über die lokale Produktion von Olivenöl zu erfahren. Während des Essens bekam ich die Möglichkeit, von meinem neuesten Buch »ALLES FAKE!? Mit Fiona generative KI entdecken« zu erzählen. Und ich las eine Passage daraus als Vorgeschmack vor.
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Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Mit 19 Jahren entdeckte ich das Schreiben durch systematische Traumtagebuchaufzeichnungen. Meine Kindheit war von familiären Disharmonien begleitet. Um das Erlebten zu verarbeiten, führte ich auf Empfehlung über einen längeren Zeitraum jeden Morgen ein Traumtagebuch. Ich ging am Abend mit einer konkreten Fragestellung aus meiner Kindheit schlafen. Und am Morgen notierte ich sofort noch im dröseligen Aufwachen, was ich dazu geträumt hatte. Später am Tag konnte ich damit arbeiten und die als Kind getroffenen Bewertungen mit meinem erwachsenerem Hirn neu beurteilen.
Das Schreiben war damals für mich eine wunderbare Form der Bearbeitung und Auflösung des Erlebten. Und ich behielt die Methode ‚Aufschreiben‘ bei, die mir hilft, Klarheit zu erlangen, wenn es unübersichtlich wird. Oder wenn ich etwas Neues lerne – Stichwort Lerntagebuch. Als Leserin meiner Aufzeichnungen gewinne ich einen wohltuenden Abstand zu meinen Schilderungen, um sie besser einordnen zu können.
Ans eigene Buch zu denken, das verdanke ich einer entfernten Verwandten, einer Schriftstellerin. Eines Tages drückte mir meine Mutter das Buch meiner Großcousine in die Hand. Verpackt in eine kunstvolle Sprache erzählt sie darin eine Familiengeschichte. Mit familiären Hintergrundinfos erschloss sich uns, wie sie ihre eigenen Erlebnisse in der Erzählung verarbeitete. Meine schreibende Verwandte war eine große Motivation, mich ans eigene Buch zu setzen.
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Worte verfliegen, Geschriebenes bleibt
… heißt es. Mir blieb das Schreiben, es gehört seither zu mir. Während des Studiums erweiterte ich meine Kompetenzen. So lernte ich das Schreibmaschinenschreiben für Nebenjobs. Als Biologie/Informatik-Studentin schrieb ich viele Berichte von Exkursionen oder Blogpraktika, da sie mir weniger Probleme bereiteten als vielen meiner Studienkolleg:innen. Und ich war eine der wenigen, die Programmcode schnell und relativ fehlerfrei am Computer schreiben konnte.
Als das Reaktorunglück in Tschornobyl geschah, erlebte ich, welche Bedeutung Recherchieren, Schreiben und Veröffentlichen haben. In meiner Universitätsstadt wurden im April 1986 vorsorglich alle Freilandversuche an der biologischen Fakultät gestoppt. Doch im Alltag blieben wir weitgehend im Dunkeln: Es gab kaum verlässliche Informationen, wie mit der unsichtbaren Gefahr umzugehen war. Die Belastung durch radioaktive Stoffe war völlig unterschiedlich, je nachdem ob und wie stark es regnete, als die strahlenden Wolken übers Land zogen.
In dieser Phase der tiefen Verunsicherung griff eine Gruppe von Studierenden aus Biologie, Chemie, Medizin und Physik zu Geigerzählern und zog los, um Antworten zu finden. Wir maßen beispielsweise die Radioaktivität im Sand von Kinderspielplätzen, weil Eltern wissen wollten, ob ihre Kinder dort noch sicher spielen konnten. In Informationsblättern gab es Empfehlungen, die an Studierende und Interessierte in unserer kleinen Stadt verteilt wurden.
Das war ein tiefgreifendes Erlebnis. Es zeigte mir, wie wichtig es ist, Wissen zu generieren, aufzubereiten und öffentlich zugänglich zu machen – ganz besonders in Zeiten großer Ungewissheit. Das prägte meinen Blick auf das Schreiben als Werkzeug – sowohl zur Aufklärung als auch zum Empowerment.
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Der Traum, vom Schreiben leben zu können
Den Wunsch hast du bestimmt schon mal von jemanden gehört. Bei mir ging es gar nicht darum, Krimis oder romantische Literatur zu verfassen: Ich machte das Schreiben nach dem Diplom in Biologie/Informatik als Fachjournalistin, PR-Spezialistin und später PR-Fachtexterin zum Beruf.
Die Magie von Blogs faszinierte mich, sobald sie aufkamen. Als digitale Pionierin habe ich Online-Informationsangebote erstellt, bevor es Mainstream wurde. Die Leichtigkeit, die Blogs dann für das Veröffentlichen von Texten im Internet eröffnete, machte mich rasch zum Fangirl. Endlich konnte ich anderen ihre Website so übergeben, dass sie selber ihre Ideen, Kompetenzen und Leistungen online präsentieren.
In der Agentur startete ich 2006 als Head of Research & Strategy mein internes Blog für die Kolleg:innen. Denn statt nachgefragte Informationen jedes Mal neu per eMail zu verschicken, konnte ich jeweils auf meinen ausführlichen Beitrag im internen Blog verweisen. Und irgendwann schlugen sie selber dort nach, wenn sie es eilig hatten.
Also ja, durch Schreiben war und bin ich gut in meinen Jobs. Und so lebe ich durchaus davon. Falls dann ein Buch mal zum Bestseller wird … – ich darf ja wohl noch träumen!
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Meine Motivation: Wissen teilen, Mut machen, verbinden
Mit meiner neuerlichen Selbstständigkeit 2010 ging – wie eingangs erwähnt – das Blog DoSchu.Com an den Start. Hier konzentriere ich mich als Bloggerin auf die Themen Kommunikation / Moderation, Kompetenzerwerb / Lernen und inzwischen generative KI. Weitere Blogs präge ich mit:
- Für meinen Coworking Space Rayaworx in Santanyí blogge ich regelmäßig.
- Zur virtuellen Community im cowirkSPACE verfasse ich sporadisch Beiträge.
- Und unseren Weg nach Mallorca begleiten wir mit dem Blog 2go2-Mallorca.
Ich publizierte zwei Bücher mit Fokus auf Frauen, die ich via Storytelling an technologische Themen heranführe.
- Das erste Buch vermittelt Know-how zu digitaler Zusammenarbeit.
- Das neueste Werk erklärt Fragestellungen und Wissenswertes rund um generative KI in praxisnahen Geschichten.
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Ein Blick zurück: Frauen schreiben für Frauen in der Geschichte
Carmens Anmerkung „Frauen schreiben für Frauen“ hat mich nachdenklich gestimmt.
Die Idee, dass Frauen gezielt für Frauen schreiben, um sich mitzuteilen, zu vernetzen und sich gegenseitig zu stärken, ist keineswegs neu. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Frauen nutzten das geschriebene Wort, um einen Raum für weibliche Perspektiven zu schaffen – lange bevor es Blogs und soziale Medien gab.
Ich denke da beispielsweise an die Briefwechsel zwischen Frauen in früheren Jahrhunderten. Diese Texte gingen über persönliche Mitteilungen hinaus. Sie waren wichtige Kommunikationskanäle, in denen Frauen sich über ihre Lebensumstände austauschten, Ratschläge gaben, Trost spendeten und sich gegenseitig ermutigten. Prominentes Beispiel ist da die Korrespondenz zwischen Caroline Schlegel-Schelling und Dorothea Veit in der Romantik, die uns im Nachhinein tiefe Einblicke in das Leben von Frauen ihrer Zeit gewähren.
Oder kennst du die Salons, die von Frauen ins Leben gerufen und geleitet wurden? Ende des 16. Jahrhunderts in Frankreich entstanden, verbreitete sich diese Salonkultur später in ganz Europa. An diesen Orten ermöglichten die Gastgeberinnen philosophische Gespräche oder den künstlerischen und intellektuellen Austausch – und zwar über Standesgrenzen hinweg. Sie pflegten ihr Netzwerk und boten auch schreibenden Frauen die Gelegenheit, ihre Werke mit anderen zu teilen und zu besprechen. So in Paris zum Beispiel Amantine Aurore Lucile Dupin de Dudevant alias ‚George Sand‘.
Mein Livestream Online Salon hat daher übrigens seinen Namen.
Nun lebe ich ja auf Mallorca. Und selbstverständlich gehörte zur Einstimmungs-Literatur »Ein Winter auf Mallorca« von George Sand (darüber schrieb ich in unserem Blog 2go2-Mallorca). Unter männlichem Pseudonym war es der Französin möglich, Romane zu veröffentlichen, die soziale Fragen, individuelle Freiheit und die gesellschaftliche Stellung der Frau thematisierten.
George Sand schrieb nicht explizit ‚für Frauen‘ im Sinne einer direkten Ansprache wie in einem Ratgeber. Sie läßt in ihren Geschichten unabhängige und starke Frauen als Hauptfiguren handeln und wirken, die vielen Leserinnen und Lesern Mut zur Veränderung machten.
So gehe ich die Geschichten in meinen Büchern an:
- Erst war es ‚Hanna‘, die ich in »Heiter bis wolkig in Digitalien« auf ihrem Workation-Aufenthalt neues lernen und ihre beruflichen Herausforderungen angehen lasse.
- Im neuen Buch nun ist es ‚Fiona‘, die sich in »ALLES FAKE?! Mit Fiona generative KI entdecken« dem Thema generative KI mit ihren Podcastfolgen nähert und sich einer Verleumdungskampagne sowie den Folgen von ‚Deepfakes‘ zu stellen hat.
Wichtige Rollen gebe ich darin den Mentor:innen Sandra, Dirk, Helen oder Eva. Dazu Bezugspersonen wie Lukas oder Jerry.
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Meine Vision für die Zukunft
Heute haben wir dank des Internets und der sozialen Medien viele Möglichkeiten, uns zu verbinden und unsere Themen sichtbar zu machen. Mein Schreiben ist ein kleiner Beitrag dazu, diesen Raum für Frauen weiter zu öffnen und zu gestalten.
Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam mehr erreichen können – sonst wäre ich keine begeisterte Coworking-Gastgeberin. Oder Lernzirkel-Moderatorin. Oder SchreibClub-Organisatorin. Oder Barcamp-Moderatorin.
Wenn wir uns gegenseitig unterstützen, voneinander lernen und unser Wissen teilen, gestalten wir digitale Räume und Wissenswelten***.
Deshalb schreibe ich. Für dich. Für uns.

Was sind deine Gedanken dazu? Hast du Autorinnen, die dich besonders inspiriert haben? Ich freue mich auf deinen Kommentar!
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* Dieser Artikel ist meine Perspektive zur Blogparade „Was ich schreibe und warum“ von Inge Bateman, die noch bis zum 22. Juni 2025 läuft.
** Gleichzeitig ist es auch mein Beitrag zum Wochenthema „Bloggen – Mehr als nur Texte im Netz“ der Blogwochen 2025.
*** Tipp: Die diesjährige LernOS Convention # loscon25 hat das Motto „Mind The Knowledge Gap“
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Vertiefende Links zu ‚Was schreibe ich und warum‘:
- Bücher & eBooks by DoSchu: https://doschu.com/books/
- Women’s Network Mallorca siehe https://wn-mallorca.com
- Frauen von damals, der Podcast von und mit Bianca Walther https://biancawalther.de/frauenvondamals/
- Caroline Schelling und Dorothea Schlegel: Briefe über die Jenaer Frühromantik im Lesedusche-Podcast: https://youtu.be/xT889yPolyQ
- Wie sich Frauen mit literarischen Salons einen Platz in der Gesellschaft eroberten beschreibt Leonie Berger im SWR https://www.swr.de/swrkultur/literatur/wie-sich-frauen-mit-literarischen-salons-einen-platz-in-der-gesellschaft-eroberten-100.html
- Literarischer Salon in Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Literarischer_Salon
- Umweltkontaminationen und weitere Folgen des Reaktorunfalls von Tschornobyl (russ.: Tschernobyl) vom Bundesamt für Strahlenschutz https://www.bfs.de/DE/themen/ion/notfallschutz/notfall/tschornobyl/umweltfolgen.html
- Klassik-Schatz auf Mallorca im 2go2-Mallorca-Blog: https://2go2-mallorca.eu/2023/12/04/klassik-schatz/
Illustration: Doschu mit Canva.com und Fotos von DoSchu • Carmen García • Tina Stuckmann


Was für eine geballte Ladung, liebe Doris. Eine so vielschichtige Mischung aus Storytelling, beruflichen Ankerpunkten und persönlichen Einblicken.
Besonders die Szene nach dem Reaktorunglück hat mich berührt. Wie ihr damals Eltern unterstützt habt und wie du das Schreiben als Werkzeug zur Aufklärung und zum Empowerment entdeckt hast, bleibt hängen.
Mir gefällt, wie du deine Erfahrungen teilst und damit andere ermutigst, sich sicherer in digitalen Räumen zu bewegen. Ich freue mich sehr, dass du bei der Blogparade #WasWarumSchreiben dabei bist.
Herzliche Grüße
Inge
Herzlichen Dank für dein Feedback und deine Initiative!
Liebe Grüße,
Doris