Bericht zur #cowork2025 Coworking-Konferenz & Barcamp Coworking
Notizen und Impressionen aus meiner Session ‚Irgendwas mit KI‘ von der COWORK2025 in Berlin-Tegel. Samstag ist auf dieser Coworking-Konferenz klassisch der Barcamp-Tag rund um Themen von Arbeitswelt, Zukunftsvisionen und Coworking. Auch an den anderen Konferenztagen nahm ich viel mit, von dem ich hier ein bisserl notiere.
Doris Schuppe • Der Beitrag Irgendwas mit KI – und Coworking erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Cool: Im gemütlichsten Meeting-Raum der Konferenz-Location erkundete ich mit Interessierten mein Session-Thema. Aber wo war ich denn da genau?

COWORK2025
Drei Tage lang traf sich die Coworking-Szene im BEYDES New Working Culture in Berlin-Tegel. Eine wunderbare Wahl, um die verschiedenen räumlichen Aspekte von Coworking an einem Ort erleben zu lassen.





Abgerundet wird es jeweils durch die Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Hier trifft ländliches auf städtisches Coworking, kleines auf großes Coworking, lang schon bestehendes auf frisches Coworking oder Coworking in der Planung. Das bringt so viele verschiedene Perspektiven zusammen, sodass das Thema der Coworking-Konferenz 2025 Zusammenarbeit / Collaboration optimal auch durch die Teilnehmenden gespiegelt wurde.
Für den Auftakt der Konferenz fuhr Leonie Müller mit ihrem ‚New Work Van‘ vor. Die Unternehmensberaterin gab uns mit ihrer Keynote zum Konferenzthema [WORK] together, right now einen guten Start. Zusammenarbeit beginnt immer bei uns selber: Und um uns spüren zu lassen, wie unterschiedlich unsere jeweiligen Arten und Weisen sind, wie wir etwas einschätzen, zog sie ein Bild eines Kleides heraus, das 2015 auf Social Media viral ging.

Erinnerst du dich? Das gemusterte Kleid, dass die einen Menschen in Weiß und Gold, andere in Hellblau und Braun oder in Schwarz-Weiß sehen? Es ist völlig egal, wie oft wir uns erzählen, dass wir das anders sehen: Jede von uns hat andere Arten und Weise, wie wir die Wirklichkeit konstruieren, die unsere Sinne wahrnehmen. Und das ist genau das, was in der Zusammenarbeit so herausfordernd ist. Wir haben alle unterschiedliche Perspektiven und Verständnisse. Es ist wichtig, das zu sehen, um sie mit anderen verhandeln zu können.
Der Hashtag #dressgate machte 2015 auf Twitter die Runde, dazu dann die Lager #whiteandgold oder #blueandblack. Ausgangspunkt war die Diskussion über die Farbe eines Hochzeitskleids, die in diesem seltenen Beispiel sehr unterschiedlich interpretiert wird.
Danke ebenso für die Erinnerung der Phasen der Teamarbeit von Tuckman. Die kenne ich: Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning. Was ich neu gelernt habe, wenn nur eine neue Person ins Team erweitert, läuft es nicht einfach weiter mit Performing oder Adjourning, sondern du fängst wirklich wieder vorne an bei Forming, Storming, Norming. Ich denke, ja gut, da kommt jetzt jemand dazu. Die Person wird aufgegleist und weiter geht’s. Läuft gut, wenn das Team gut harmoniert, kracht in anderen Fällen.
Zahlen zu Coworking brachte Carsten Foertsch von deskmag mit. Anschließend wurde es sehr interaktiv.



Wir tauchten in ein World Café ein moderiert von Stefan Evertz / elbelab Wittenberge. In drei Runden diskutierten wir sechs verschiedene Aspekte und Fragen rund um das Thema Räume und Kollaboration, kollaboratives Quartier.
Barcamp Coworking
Der Samstag ist traditionell ein Barcamp auf der Coworking-Konferenz. Es ist das einzige Barcamp zum Thema Coworking im deutschsprachigen Raum – seit 2014. Ich liebe es, dieses Format zu moderieren. Dieses Mal comoderierte wie auf den COWORKs in Solingen und Karlsruhe wieder Beate Mader vom Coworking Space in Bad Tölz. Dazu gesellte sich eine Hospitantin: Manuela Wehrle möchte in ihrem Umfeld ein Barcamp veranstalten und bat darum, uns auf Schritt und Tritt über die Schulter zu schauen. Damit sie ein Gefühl dafür bekommt, auf was sie achten muss, wenn sie selbst ein Barcamp durchführt. Das Format ist wirklich leicht zu ‚lernen‘, und es hilft eine Menge, wenn du dich bei einem Barcamp intensiv mit der Moderation und der Organisation auseinandersetzt.



3 Hashtags zur Vorstellung
Nach Orientierung entlang einer geklebten Linie von Norden nach Süden stellten sich alle mit drei Hashtags vor. Meine waren wie so häufig #barcamp #mallorca #coffee. Dann ging es in die Pitches für fünf Runden und sieben parallele Räume auf dem erwartungsvollen Tagesplan. Gegen das bekannte ‚Fear of Missing Out‘ (F.O.M.O.) gaben wir kleine Session-Poster mit auf den Weg, damit immer von jeder Session möglichst auch ein paar Stichpunkte oder eine Zusammenfassung zurück ins Plenum kamen.
Aufgrund der Organisation war ich selber kaum in Sessions. Gefallen hat mir dir Frage ‚Wie kann ich improvisieren, um einen nüchternen Konferenzraum zu einem angenehmen Pop-up-Coworking-Raum zu gestalten?‘ Was kann diesen Raum zeitweilig zum inspirierenden Arbeits- und Begegnungsraum verändern? Farbakzente wie Kissen, ein Teppich, bunte Sitzbälle und auf jeden Fall Pflanzen, vielleicht auch auf einem rollbaren Untersatz, damit sie dann weggerollt werden können, wenn sie nicht im Raum stehen bleiben dürfen. Gemütliche Möbel wie ein Sitzsack oder zwei Sesselchen. Und auf jeden Fall sich kundig machen, was die Menschen, die wir in diesen Raum einladen wollen, tatsächlich brauchen. Wir sind sehr gespannt, was die Manuela daraus macht und wünschen ihr auf jeden Fall super viel Erfolg.
Irgendwas mit KI … & Coworking
Dann lud ich zur Session ‚Irgendwas mit KI und Coworking‘. Dazu fragte ich, was die Teilnehmenden von ihren Tätigkeiten am liebsten an die Kollegin KI abgeben wollen? Da wurde dann postwendend die Buchhaltung genannt. Mein Tipp, hier nach spezialisierten Lösungen suchen, denn hier hantieren wir ja immer auch mit sensiblen Daten. Ansonsten können Prozesse miteinander verknüpft werden mit Tools wie Make.

Buchhaltung: Belegerfassung
Das ist kannst du auf jeden Fall nutzen: Scanne deine Ausgabenbelege ein und lass sie von der KI erfassen. Dazu brauchst du einen KI-Chat-Zugang, bei dem du Bilder als Input hochladen kannst. Für die Erfassung der Belege gibst du als Prompt an:
Extrahiere aus den hochgeladenen Bildern die folgenden Informationen: Datum, Händlername, Artikelbeschreibung und Betrag. Gib die Ergebnisse in einer tabellarischen Liste aus.
Texten mit KI
Viel Anwendung fand bereits das Thema Texten und Unterstützung bei allen Texten durch KI. Die einen lassen sich eine E-Mail ein bisschen klarer formulieren. Andere suchen Rat, wenn sie eine sehr diplomatische Antwort schreiben wollen. Für Social Media-Posts wird die Hilfe von KI gesucht. Und dann gibt es ja auch den Anspruch, für verschiedene Zielgruppen verständliche Texte zu verfassen. Da hilft uns die Rollenzuweisung für die KI.
Die Tools dafür sind die typischen Chat-KIs, zum Beispiel ChatGPT, Gemini, Copilot oder auch fobizz, dass im Bildungsbereich angesiedelt ist. Für Social Media empfehle ich nachzusehen, was ein genutztes Tool wie beispielsweise Buffer bereits an neuen KI-Funktionen eingebaut hat.
Fotos & Illustrationen mit KI
Natürlich empfehle ich immer, Fotos im eigenen Space zu machen. Das ist nicht immer möglich oder es fehlt ein zu illustrierender Aspekt für eine Präsentation, Flyer oder einen Event. Nicole Sennewald erzählte aus dem Krämerloft in Erfurt, wo jeden Mittwoch ein Netzwerktreffen mit frisch gekochtem Mittagessen stattfindet. Zur Illustration der Einladung lassen sie die KI jeweils das Rezept illustrieren, was sehr gut ankommt.

Einfach zu nutzende Tools für diesen Bereich sind Copilot, Canva, ChatGPT, fobizz. Prima für fotorealistische Fotos ist Flux, ein Tool aus dem Schwarzwald. Dazu noch Gamma, was ausgesprochen brauchbar aus Stichworten eine Präsentation oder eine Broschüre mit Text und Bild gestalten kann.
Multimedia mit KI
Niemand liebte das Thema Video, aber von den Social Media-Plattformen fühlt man sich geradezu gezwungen, hier mitzuspielen. Wir sprachen über Tools für längere Videos wie zum Beispiel Clipchamp. Für kürzere Videos, die wir häufig brauchen, ist wieder Canva super geeignet.
Kids lesen nur ungern lange Beschreibungen, erzählte uns Thomas Wick von cobaas in Preetz. Daher nutzt er gerne Googles Notebook LM, so wie ich. Hier können die Informationen zu einem Thema als PDFs, Textdateien, Website-Links, Video-Links in einen Sammelordner angereicht werden, aus denen die KI Zusammenfassungen machen kann. Neben Fragen zu beantworten erstellt Notebook LM einen Podcast mit zwei Stimmen, die sich über das Thema auf der Basis der Dokumente unterhalten. Mittlerweile bieten andere Tools ähnliche Funktionen.
Praxis mit KI
Inzwischen nutzen viele das Tool Canva. Da dessen KI-Funkionen unbekannt waren, probierten wir das inn der Session aus. Canva ist mein ‚Schweizer Taschenmesser‘ und unterstützt mich bei vielen Aufgaben.





Die Beispiele zeigen, es sitzt nicht immer gleich auf Anhieb. Sehr beeindruckt waren wir von der verrückten Aufgabe, Vögel in einem Coworking Space auf einem Foto zu zeigen. Ich wünsche allen viel Spaß, die Tools weiter zu erkunden, um die eigenen Workflows zu entwickeln.
Kooperation im Team für den Pokal
Am Abend zogen wir um in die Marheineke Markthalle. Das ist eine klassische Markthalle, die einen Coworking-Space im oberen Geschoss eingerichtet hat mit Blick auf die Marktstände. Ein sehr heller Raum und eine interessante Art und Weise, einen Coworking-Space in der Stadt zu etablieren.
Dort fand das legendäre Coworking-Quiz mit der Wandertrophäe „Die goldene Kuh“ statt, die dieses Mal auch wieder von Alexandra Bernhardt an das beste Pub Quiz-Team vergeben wurde.

Zusammenarbeit in der Praxis
Am Sonntag trafen wir uns zum ‚Collaboration Sunday‘ und hatten Janek Panneitz zu Gast, der uns mit Thinking Without Boxes in die 3D-Welten-Methode einführte.

Das war eine sehr spannende Praxissession, die gut an die Lego Serious Play-Session in Karlsruhe anknüpfen konnte. Erst ließ Janek Panneitz uns noch mal in Erinnerung rufen, was wir in der Kindheit alles an Berufswünschen hatten und wie wir uns vorgestellt haben, wie das Arbeitsleben so ausschaut.
Dann ging es daran, konkret zu notieren, wie möchten wir arbeiten, wie möchten wir unsere Arbeitssituation haben, was sind wichtige Faktoren. In der Gruppe ordneten wir dann auf einer Matte, die als Ozean bezeichnet wurde, unsere Aspekte an. Das war eine angenehme Art und Weise, verschiedene Prinzipien und auch Perspektiven von Menschen auf einen Coworking-Space zu besprechen und auch zu verhandeln.
Sehr praktisch fand ich die Abstimmungsmethode. Sobald jemand bei einer Entscheidungsfindung wusste, was er oder sie wollte, wurde die Faust in die Mitte gehalten. Und wenn alle da waren, wurde runtergezählt 3, 2, 1 und die Faust geöffnet (Daumen hoch oder Daumen zur Seite oder Daumen nach unten).




Es war sehr erfrischend und auch wieder cool, über dieses Thema zu sprechen, was wirklich wichtig ist in einem Coworking-Space.
Ich sag’s euch, es war ein wunderschönes Wochenende.
Janek Panneitz war begeistert, dass wir bereit sind, am Wochenende unsere „Brainpower auf ein Problem zu werfen.“ Coole Formulierung!
Community at its best
Spannend war sein Hinweis, dass es bestimmte Arten und Weisen des Spielens gibt und wir sicherlich Alpha-Player kennen. Deren Art behindert eine Zusammenarbeit oder eine Kooperation auf gleicher Augenhöhe. Beispielsweise in einem Escape-Room-Spiel gibt es dann schon mal so Menschen, die dann sofort die Lösung haben und die Leute durch die Gegend schicken. Mitspielenden vergeht die Lust da die Lust am Spiel, weil sie ja gar nicht spielen, sondern nur ausführen, was jemand anderes sagt.
Kooperation lösen Spielanbietender durch Zeitdruck, hohe Komplexität und viele Optionen, die man zur Verfügung stellt. Im Prinzip sind wir dann auch bei dem Thema VUCA, Volatil, Uncertain, Complex und Ambiguity und damit haben wir natürlich die Situation, in der wir jetzt auch als Unternehmen, als Organisation, als Coworking-Space agieren müssen.
In Unternehmen oder vielleicht sogar auch als Coworking-Space-Host sind viele gewohnt, im Alpha-Player-Modus, wie er das nennt, zu spielen. Dabei brauchen wir die Kooperation und das brauchen die Unternehmen genauso, wie wir das als Coworking-Space brauchen.
Und deswegen ist es wichtig, dass dieses Thema Kooperation, Kollaboration, Zusammenarbeit als Jahresthema für die German Coworking Federation ausgerufen wurde. Das Miteinander in Konferenz, Barcamp und Praxis-Workshops war sehr passend dazu. Ich habe mich gefreut, wieder wunderbare Menschen aus der Coworking Community live zu treffen.
Links zur Vertiefung
- COWORK2025 Programm https://www.coworking-germany.org/cowork/cowork2025-in-berlin-tegel/
- COWORK2025 digitaler Sessionplan https://padlet.com/cowork/sessions-cowork2025-l92jrvjnql72g4pf/slideshow
- Tuckman’s stages of group development https://en.wikipedia.org/wiki/Tuckman’s_stages_of_group_development
- Dressgate – Die wissenschaftliche Erklärung, warum manche dieses Kleid als weiß wahrnehmen — und andere als blau (2015) https://www.gq-magazin.de/auto-technik/article/weiss-golden-oder-blau-schwarz-hier-ist-die-antwort – The Dress (wikipedia) https://en.wikipedia.org/wiki/The_dress
- Canva MagicMedia https://canva.com
Fotos: DoSchu; BEYDES New Working Culture, DoSchu Moderation: Manuela Wehrle

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