Jetzt wird die DoSchu aber kryptisch! Nix da, es gibt nur immer ganz gute Merkregeln, die uns leichter fallen, wenn sie griffig benannt werden. Dieses Mal stelle ich dir gleich zwei richtig gute Merkhilfen für die Zusammenarbeit mit KI vor: Das 4D-Mantra und das 5b-Modell. Zwei Strategien und Merksätze, um ‚kognitives Offloading‘ zu vermeiden. Was das ist, erklär ich dir gleich!
Doris Schuppe • Der Beitrag KI smart nutzen: 4D-Mantra & 5b-Modell erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Themen dieses Beitrags im Überblick
In der Fachwelt werden bereits die Auswirkungen von intensiver KI-Nutzung diskutiert. Hast du bereits über ‚kognitives Offloading‘ gelesen?
Was ist kognitives Offloading?
Das Adjektiv ‚kognitiv‘ steht für Fähigkeiten wie Erinnerung, Planung, aber auch Orientierung, Lernen oder Kreativität. Mit dem Begriff ‚kognitives Offloading‘ wird beschrieben, wir wir mentale Aufgaben an externe Hilfsmittel auslagern, um beispielsweise unsere Gedächtnisleistung zu entlasten. Das tun wir Menschen gerne und oft – auch du und ich, völlig selbstverständlich und ohne viel darüber nachzudenken. Schon sehr sehr lange. Das funktioniert schon mit Keilschrift und Tontafeln, vielleicht auch mit Höhlenmalerei und anderen archäologischen Fundstücken.
Vielleicht erkennst du dich in meinen Routinen der Entlastung ja wieder?
So nutze ich kognitives Offloading
- Ich trage Termine ein – früher in einem Papierkalender, heute in der Kalender-App im Smartphone, die mit dem Computer synchronisiert.
- Ich notiere mir Ideen, Inspirationen, Kritzeleien, Mindmaps, Romanfetzen und Gedanken in einem Notizbuch aus Papier, denn ich entwickle Neues am besten per Handschrift (Bonus: Beidhändigkeit hilft gegen Ermüdung beim ungewohnten Schreiben). Manchmal schnappe ich mir auch das iPad mit Stifteingabe.
- Ich nutze den Taschenrechner im Smartphone oder die Berechnungsfunktion der Tabellenkalkulation zur Kalkulation von Angeboten etc.
- Ich schreibe Einkaufslisten, um nichts im ablenkenden Laden zu vergessen.
- Vor Reisen hake ich in meiner Packliste ab, was ich eingepackt habe.
Super praktisches und entlastendes kognitives Offloading, oder? Denn ich muss es mir dann nicht merken oder dran denken, dass ich es mir merken wollte. So weit so positiv.
Wann kann kognitives Offloading negativ sein?
Jetzt komme ich zu einem kognitiven Offloading, dass sich negativ auswirken kann: Navigation im Straßenverkehr.
Stell dir diese Fragen:
- Kannst du noch eine Straßenkarte lesen, um den Weg zu einem dir unbekannten Ziel zu finden?
- Verlässt du dich auf deine Karten-App, die dich durch die Straßen lotst, und bist ohne Handy-Signal aufgeschmissen?
- Sprichst du Fremdsprachen, um im Ausland nach dem Weg fragen zu können?
Die Auslagerung der Navigationsleistungen kann bei einigen dazu führen, dass sie Straßenschilder ignorieren und eine Einbahnstraße in falscher Richtung befahren. Sie stellen die Anweisung ihrer Navigations-App über die reale Wahrnehmung im Straßenverkehr.
Mit generativer KI erreicht kognitives Offloading neue Dimensionen
KI-Tools können bereitwillig und jederzeit komplexe Aufgaben wie Datenanalyse, Texterstellung oder die Recherche von Informationen übernehmen. Oft wird dabei schon jetzt nicht mehr hinterfragt, auf welcher Basis das Ergebnis zustande kam und ob das Ergebnis auch wirklich plausible Zusammenhänge darlegt. Dabei hat KI kein Universalwissen, sie sie erkennt Muster und Wahrscheinlichkeiten und setzt auf diesen auf.
Ja, das Nachprüfen ist aufwändig. Zum Beispiel, wenn ich mir von Google Gemini in der Deep Research-Funktion eine detaillierte Darstellung erstellen lasse.
Und trotzdem: Ich spare Zeit! Denn den Aufwand für die Erstellung eines ersten ‚Drafts‘ habe ich wirksam verringert.
Bequemlichkeit in der Zusammenarbeit mit generativer KI ist hier in dreierlei Hinsicht unangebracht:
- Wer die KI-Ergebnisse nicht kritisch hinterfragt, erkennt keine Fehler und reproduziert diese dann in der weiteren Nutzung. Vielleicht in schlechten oder schlichtweg falschen Social Media-Posts.
- Wer die KI alles machen lässt und zum Beispiel die generierten Hausarbeiten, Übungsaufgabenlösung oder Projektarbeiten nicht mal liest, lernt den Inhalt nicht, setzt sich nicht mit den damit verbundenen Fragestellungen auseinander.
- Wer die KI insbesondere im Fall des Übens neuer Fähigkeiten mal machen lässt, lernt weder, wie etwas zu erlernen ist, noch die Fähigkeit an sich.
Lernen ist hier wichtiger Aspekt
Zu dem letzten Aspekt ein Beispiel: Ich bin so viele Stunden, Tage und Wochen beim Motorradfahren als Sozia mitgefahren. Durch die vielen Kurven und Abbremsen arbeitete ich viel mehr mit als jemals im Auto als Beifahrerin. Ich habe mir einiges erklären lassen oder habe den anderen interessiert beim ‚Benzin-Talk‘ zugehört.
Aber als ich dann selber in die Fahrschule ging, musste ich trotzdem lernen, wie mir die Koordination der verschiedenen Aufgaben des Motorradfahrens gelingt.
Lernen ist anstrengend, findet unser Gehirn auch. Üben nervt.
Nur die Bequemlichkeit der Abkürzung ist gerade beim Lernen tückisch.
Dabei ist KI als unermüdliche und auch bei der xten Wiederholung freundliche Lehrmeisterin durchaus eine wunderbare Neuerung. Sie muss nur entsprechend genutzt werden.
Und ja: So wie die traditionelle Wissensvermittlung und -überprüfung in der Schule (und teils in Bachelorstudiengängen) läuft, ist es wenig verwunderlich, auf KI zurückzugreifen. Seit den 1990er Jahren ist es meiner Meinung nach versäumt worden, insbesondere die schulische Bildung wirklich zu modernisieren und an die neue Zeit der technischen Hilfsmittel und schnell verändernden Welt heranzuführen. Vielleicht ist generative KI die Entwicklung, die das jetzt endlich einfordert.
Wichtig beim kognitiven Offloading an KI
- Vorsicht vor Überhöhung der Partnerin KI. KI denkt nicht wie ein Mensch, sie ist kein allwissendes Wesen und sie ‚weiß‘ nicht, was wahr ist. KI erkennt und reproduziert Muster und Wahrscheinlichkeiten – in ihren Antworten und Texten kann sie durchaus daneben liegen. Obwohl sie perfekt formuliert und plausibel klingen, können sie falsch sein.
- Verantwortung übernehmen. Wer Inhalte mit generativer KI erstellt, bleibt für die Verbreitung oder Veröffentlichung von Texten, Bildern, Videos etc. verantwortlich. Es gibt keinen Fingerzeig auf die KI mit der Ausrede, „aber ChatGPT hat gesagt, so ist das!“ Es bleibt in unserem Spielfeld, die gelieferten Inhalte zu überprüfen, bevor wir mit ihnen weiterarbeiten oder sie an andere weiterreichen.
Und damit das leichter fällt, habe ich hier die zwei Tipps, mit denen das leichter merkbar ist.
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4D Mantra aus dem KI LernCircle
Im Austausch der KI Power-Weeklys am Dienstag diskutierten wir ausgiebig über die Übertragung der Aufgaben an die Kollegin KI. Wie wichtig es ist, sich die Ergebnisse anzuschauen und deren Qualität zu bewerten. Wir hatten es dann mit Kreativität, Kollaboration, Kommunikation, Kreativität und kritisches Denken, den formulierten ‚vier Kompetenzen für das 21. Jahrhundert‘, auch 4K-Modell des Lernens genannt.
Dann haute Birgit einen richtig guten Merksatz raus:
»4 mal D: DAVOR denken, DABEI denken, DANACH DENKEN in der Zusammenarbeit mit KI.«
Birgit
- DAVOR denken
Wie sinnvoll ist es, die Aufgabe an die KI zu übergeben? Mit welchen Rahmeninformationen sollte ich das tun? Was erwarte ich? Mit welchem KI-Anwendung gehe ich die Aufgabe an? - DABEI denken
Passen die ersten Rückmeldungen zu dem, was ich mir erwarte? Muss ich nachschärfen? Sollte ich ein anderes Tool nutzen? - DANACH denken
Kann ich das Ergebnis, so wie es ist, weiterverwenden? Was muss ich nachprüfen? - DENKEN
Das wichtigste überhaupt: aktiv mitdenken, nicht abgeben ohne nachzudenken.
Cool oder?
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5b-Modell fürs Schreiben mit KI
Bei Nele Hirsch fand ich eine Empfehlung für das Schreiben mit KI-Unterstützung. Ich finde ihre darin formulierten fünf Leitlinien sehr griffig und gut zu merken.
Jede ihrer Empfehlungen beginnt mit einem ‚b‘ – daher ihre Bezeichnung 5b-Modell:
»Behutsam • Bewusst • Beteiligt • Bohrend • Bewertend«
Nele Hirsch
- BEHUTSAM
Generative KI dosiert einsetzen mit dem Prinzip ‚lieber zu wenig als zu viel‘. In der Nachbearbeitung der KI-Texte kostet es Zeit und Nerven, die „stochastischen Allgemeinplätze und Übertreibungen glattzubügeln“. Zudem nehmen wir uns sonst die Möglichkeit, zu lernen. - BEWUSST
Statt einfach einen Prompt rauszuhauen, vorher genau herausfinden, was mit der Anfrage erreicht werden soll. Dann wird der Prompt präzise, und die KI liefert keine total veränderten Texte, wenn es nur um die Fehlerbereinigung gehen soll. - BETEILIGT
Im Dialog bringt die Zusammenarbeit mit der KI bessere Ergebnisse. Wir lernen gleichzeitig, indem wir Rückfragen stellen oder einzelnen Aspekten tiefer nachgehen. - BOHREND
KI stimmen uns meist höflich zu und sind verhalten mit Kritik – zum Beispiel bei einem Prompt zur Textverbesserung. Wertvolle Rückmeldungen oder Hinweise auf falsche Informationen erhalten wir, wenn wir gezielt nach Kritik fragen. Hier hilft nach meiner Erfahrung auch die Zuweisung der Rolle einer überkritischen und pedantischen Chefredakteurin an die KI. - BEWERTEND
Du musst für deine Texte einstehen, auch wenn Kollegin KI sie vorbereitet hat. Aufgrund der Abwesenheit eines Universalwissens auf der Seite der KI kommen wir nicht daran vorbei, jedes Ergebnis kritisch zu prüfen.
Auch das können wir uns gut merken, richtig?
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Offloading kurz erklärt
Hier noch ein Fundstück, dass das bekannte Offloading und mit KI gestütztes Offloading kurz erklärt:
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Links zu ‚KI smart nutzen: 4D-Mantra & 5b-Modell‘
- Computational Offloading im Kontext von KI beschreibt Christian Spannagel auf Youtube https://youtu.be/6nbNXG1BAEE
- 4K Modell des Lernens bei wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/4K-Modell_des_Lernens
- 5b-Modell von Nele Hirsch im eBildungslabor https://ebildungslabor.de/selbstlernkurse/5b-modell-wie-nutze-ich-ki-sprachmodelle-klug-beim-schreiben/
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Wer schreibt hier für dich?

Doris Schuppe ‚DoSchu‘ ist die Autorin dieses Beitrags • Moderatorin von Begegnungsräumen im digitalen Zeitalter – Barcamp, Coworking, Community, LernCircle, SchreibClub – mit Herz & KI-Kompetenz • Autorin von Blogs & Books »ALLES FAKE!? Mit Fiona generative KI entdecken« & »Heiter bis wolkig in Digitalien«.
Host von cowirk.SPACE, Rayaworx Mallorca & Peer Learning Community.
Gerne unterstütze ich dich / dein Team als Consultant oder Moderatorin.
Illustrationen: DoSchu mit Canva.com

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