KI: Unterstützen lassen ohne Abzugeben

Talk-Gast: Hilge Kohler

Schreiben ohne KI-Unterstützung? Das geht vielleicht bald nur noch, wenn wir zu Stift und Papier greifen, lachte Hilge Kohler. Im Livestream mit der Dozentin für Rhetorik Text und Storytelling sprachen wir über Unterstützung durch KI, ohne alles an sie abzugeben. Warum – das liest du hier oder schaust du in der Aufzeichnung im Detail an.


Doris Schuppe • Der Beitrag KI: Unterstützen lassen ohne Abzugeben • Talk-Gast Hilge Kohler erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.


30 Jahre Kommunikationserfahrung von der gedruckten Tageszeitung bis zur KI-Transformation: Hilge Kohler ist Dozentin für Rhetorik, Text und Storytelling sowie Expertin für kreatives Arbeiten mit Sprachmodellen. »Klare Worte wirken«, lautet Hilges Leitsatz. Im Livestream sprachen wir darüber, wie sie seit 2005 erfolgreich als selbstständige Trainerin, Autorin und Moderatorin am Puls der Zeit bleibt.

Zuhören & Nachfragen

In der zweiten Folge der Livestream-Serie »Erfahren. Ehrlich. Selbstständig.« traf ich Hilge Kohler im Online-Studio. Die Dozentin brachte als ehemalige Journalistin und Redenschreiberin in den Talk ihre Erfahrung aus 30 Jahre Selbstständigkeit ein.

Was ist Hilges ganz persönliche Superkraft? Zuhören und gezielte Fragen stellen, sagte sie. Darin liegt ihrer Erfahrung nach der Schlüssel des Erfolgs sowohl für ihre Trainings als auch bei der Arbeit mit modernen Sprachmodellen. Hilge startete ihr Berufsleben als Journalistin, da lernte sie, wie wichtig es ist, anderen Leuten zuzuhören und nachzufragen. Journalistische Arbeit lebt davon, mit anderen Menschen zu reden und dann das Gehörte in Artikeln zu verarbeiten. Diese Superkraft des aktiven Zuhörens nutzt sie genauso in ihrer heutigen beruflichen Rolle als Redenschreiberin oder Trainerin.

»Ich habe am meisten in meinen Trainings und Workshops erreicht, wenn ich Leuten zugehört habe und verstanden habe, worum es wirklich geht, was das Anliegen ist.« – Hilge Kohler

Zuhören, Fragen stellen, voneinander und miteinander lernen – so lernten Hilge und ich uns 2020 kennen In dem Ausnahmejahr trafen wir uns im Rahmen des Corporate Learning Camps in einer Gruppe um die Schweizer Bildungsmanagerin Elvira Pfann.

Die Online-Veranstaltung namens MOOCamp 2020 stand unter dem Titel »Lernräume gestalten – offline, online und hybrid«. In unserer Gruppe loteten wir gemeinsam aus, wie Präsenzseminare in einer digitalen Umgebung interaktiv und wirksam werden. Ergebnis unserer Zusammenarbeit war die Veröffentlichung von »Von Analog zu Digital: 7×5 interaktive Workshop-Methoden, die auch online begeistern«. Künstliche Intelligenz spielte damals noch keine Rolle wie heute.

KI & Schreiben

Im Talk erzählte Hilge Kohler, wie stark die Arbeitswelt auch in ihrem Bereich durch generative KI beeinflusst wird. Ihrer Erfahrung nach ist in der heutigen Zeit eine der größten Herausforderungen, nicht der ständigen KI-FOMO (also der Fear of Missing Out) zu verfallen, sondern fokussiert und gesund bei sich selbst zu bleiben.

Am Steuer des eigenen Lebens zu bleiben: Unsere Art zu arbeiten verändert sich, unser inhaltlicher Fokus verändert sich, und es ist an uns, diesen aktiv mitzugestalten. Dazu empfahl Hilge, als Selbstständige nicht zu unterschätzen, wie wichtig es ist, uns selber weiterzubilden, damit wir die Veränderungen nicht nur mit uns geschehen lassen.

Ein Schwerpunkt des Talks drehte sich um Fragen, ob und wie generative KI das eigene Schreibhandwerk oder gar den persönlichen Schreibstil bedrohe. Hilge sieht das gelassen: Künstliche Intelligenz ist für sie ein praktisches Werkzeug, aber keineswegs ein Ersatz für eine echte, persönliche Stimme.

»Der eigene Stil lebt – er ist kontextbezogen und mit Inhalt verbunden. Die Stilarbeit mit KI ist kein Ersatz für eine persönliche Stimme.« – Hilge Kohler

Die KI-Sprachmodelle nutzt sie intensiv zur eigenen Stil-Analyse oder als Sparringspartner beim Diktieren und Vorformulieren. Der lebendige, kontextbezogene Feinschliff bleibt bei ihr auf jeden Fall in reiner Handarbeit. Auf Sandras Frage, ob sie Angst habe, dass KI ihre Rhetorik verwendet, antwortet Hilge mit dem Hinweis darauf, dass sie einiges online veröffentlicht, von dem sie keine Bedenken hat, dass es als Inspirationsquelle genutzt wird. Ob von Menschen oder von KI.

Anders sieht das aus mit Inhalten, die kostenpflichtig veröffentlicht werden. Wenn diese zu Trainingszwecken unentgeltlich genutzt werden – wir erinnern uns an die Nachrichtenmeldungen zu den Buch-Scans für KI – sieht sie das durchaus anders. Da freut sie sich, dass es Menschen und Organisationen gibt, die sich intensiv dafür einsetzen, dass Autorinnen und Autoren auch morgen noch von ihrem Schreiben leben können.

Schreiben ohne KI?

Hilge schmunzelte bei der Antwort auf diese Frage. Das Schreiben ohne die Beteiligung eines KI-Sprachmodells gelinge ja nur noch, wenn wir zu Papier und Stift greifen. In vielen digitalen Tools, die wir nutzen, ist KI inzwischen im Hintergrund mit an Bord. Aktiviert wartet es im Hintergrund in Google Docs, Word-Dokumenten oder E-Mail-Software darauf, bei der Formulierung zu helfen.

Es sei ja sogar schon schwer, nicht selber an KI zu denken, wenn wir einen Text entwerfen und beim Tippen einen Gedankenstrich setzen. Denn viele gehen inzwischen davon aus, wenn sie in einem Text dieses Satzzeichen lesen, sei der Beitrag von einer KI geschrieben. Genauso bei Dreiklängen, Emojis und so weiter. Wenn derart auffällige Stilmittel mit Bedacht eingesetzt werden, wirken sie kraftvoll. In der falschen Dosis verströmen sie jedoch ein ‚KI-Aroma‘, das wir nicht lieben.

Digitale Unterstützung

Was Hilges Umgang mit ihren digitalen Werkzeugen verändert hat, ist die Sprache. Also genauer das Sprechen:

»Ich spreche seit 2-3 Jahren viel mehr in Geräte, also Teile meiner Blogposts sind komplett gesprochen und nur noch von mir ein bisschen überarbeitet.« – Hilge Kohler

Diese neue Möglichkeit der Interaktion mit Technologie über unser natürlichstes Kommunikationsmittel, das Sprechen, das ist die wirkliche Neuerung durch KI. Und für viele geradezu eine Erleichterung, wenn ich in Workshops oder Mentorings vorstelle, wie wir mit KI-Anwendungen sprechen können. Ich kann super tippen – brauchte ich für meine Jobs als Studentin – daher vermisse ich die Spracheingabe nicht so sehr.

Den Fingerzeig in diese Technologie gab es bereits letztes Jahrhundert. Vielleicht erinnerst du dich an den StarTrek-Film, in dem der Enterprise-Ingenieur Scotty einen MacIntosh-Computer aus dem Jahr 1986 per Sprache steuern wollte?
Dann zeigte jemand aus dieser Zeit verlegen auf die Maus, und Scotty nahm etwas befremdlich blickend die angekabelte Maus in die Hand, sprach dann in diese wie in ein Mikrophon seine Anweisungen … um schließlich mit einem verächtlichen »Tastatur. Wie rückständig!« zum Keyboard zu greifen, in das er in atemberaubender Geschwindigkeit die benötigte Formel für transparentes Aluminium eintippte.

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Der Titel des Films lautet übrigens »Star Trek IV: Die Reise in die Gegenwart« (Premiere November 1986)

Neuer Job: Stilwächterin?

Zurück zu unserem Talk. Unser Austausch zum individuellen Schreibstil, den wir mit KI analysieren und verfeinern können, brachte Hilge die wunderbare Bezeichnung einer neuen Rolle ins Spiel: die »Stilwächterin«. Das liebe ich an unserem Livestream: Beate notierte gleich in den Kommentaren eine mögliche Stellenbeschreibung für diese Rolle.

So eine Stilwächterin ist künftig dafür zuständig, zu schauen, dass unser Geschriebenes nicht plötzlich zu viele Gedankenstriche, Ausrufezeichen etc. enthält. Darüber hinaus würde sie vor allen Dingen sicherstellen, ob das, was wir erzeugen, nach uns klingt.

»Wir werden alle mehr und mehr mit KI schreiben, und wir müssen uns bewusst sein, dass, wenn wir KI zu viel überlassen, der Stil verkümmert.« – Hilge Kohler

Was meinst du? Ein Job mit Zukunftsperspektive oder nur eine weitere Funktionsbeschreibung für eine spezialisierte KI-Anwendung? Schreib deine Einschätzung gerne in die Kommentare!

3 Takeaways von Hilge

Neben all den fachlichen Kniffen ging es vor allem um das echte Leben als Solopreneurin. Hilges drei wichtigste Takeaways für alle Selbstständigen bringen es perfekt auf den Punkt:

  • Investiert kontinuierlich in eure Weiterbildung – persönlich wie fachlich, mit Zeit und Geld, selbst wenn das Business gerade brummt.
  • Akzeptiert Höhen und Tiefen als völlig normal – es gehört dazu, Krisen durchzuhalten und sich im Zweifel mutig Hilfe zu holen.
  • Sprecht selbstbewusst über das, was ihr gut könnt – nutzt Netzwerke wie Coworking-Communities oder Fachgruppen zum ehrlichen Austausch auf Augenhöhe, denn gegenseitige Unterstützung bringt uns alle weiter.

Ein rundum inspirierender Talk, der zeigt, wie schön und wandelbar gelebte Selbstständigkeit sein kann!

»Investiert in eure Weiterbildung – persönlich und fachlich, Geld und vor allem Zeit. Wir sind es wert.« – Hilge Kohler

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Jetzt Aufzeichnung auf Youtube anschauen (KLICK aufs Bild)

Herzlichen Dank an Hilge Kohler und das Publikum für den anregenden Talk!

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Illustrationen: DoSchu mit Canva.Com und Foto von Hilge Kohler • Portrait DoSchu in ‚Mrs. Spock-Style‘ mit Gemini-KI

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About Doris Schuppe

Doris Schuppe (DoSchu) steht für ›Digitalien & KI einfach verstehen‹. Sie stärkt digitale Kompetenzen, damit Berufstätige den Anschluss an digitale Arbeitstechniken nicht verpassen und generative KI für ihre Workflows entdecken. Vernetzen ist ihre Superkraft – neben der klassischen Vernetzung in Interessenverbänden bringt sie Menschen in Barcamps, Coworking, Lean Coffees, Learning Circles oder Online-SchreibClubs zusammen. Neben Blogs wie DoSchu.Com schreibt sie Bücher: 2023 erschien ihr New Work-Buch »Heiter bis wolkig in Digitalien«, 2024 als Co-Autorin der »lernOS KI Leitfaden«. 2025 folgt ein Buch rund um generative KI. Doris Schuppe abeitet als freie Trainerin, Mentorin und Moderatorin.

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