… gute Frage! Die stellt Stephanie ‚kleiner Komet‘ in ihrer Blogparade. Meine Antwort darauf ist … vielfältig. Ich erzähle dir also davon, was mich zum Schreiben treibt, von meinen Inspirationen und Vorbildern und vom Dranbleiben. Denn letzteres ist wichtig, damit aus einer Idee und Textfragmenten ein Buch für andere Menschen wird.
Doris Schuppe • Der Beitrag Ich schreibe Bücher, weil … erschien zuerst im Blog DoSchu.Com.
Ohne geplant an einem aktuellen Buch zu schreiben, ist jetzt nach zwei Büchern neu. Um Interessierte möglichst niedrigschwellig in digitale Themenwelten einzuführen nehme ich sie mit durchgehender Romanstory auf Entdeckungsreise zu digitalem Arbeiten beziehungsweise Fragestellungen und Know-how rund um generative KI.
Diese Situation konnte ja nicht lange so bleiben. Und tatsächlich spinne ich inzwischen Fionas Geschichte aus dem zweiten Buch weiter. Sie war ja anders als ihre Kolleg:innen im Team noch nie auf Workation. Und so lasse ich sie gerade auf der Insel Mallorca auf Figuren treffen, die im ersten Buch ihre Rolle spielten.
Und apropos KI: Tatsächlich frage ich mich manchmal, warum ich überhaupt noch selber schreibe. Kollegin KI könnte das doch mit Leichtigkeit nach etwas Training in meinem Sinne erledigen, oder? Nein, ich lasse meine Kollegin nicht für mich schreiben, sondern ich nutze sie als Sparringspartnerin. Warum, das schreib ich dir hier.
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Warum schreibt DoSchu also?
Ich schreibe Bücher, weil …
- … das Schreiben mich nicht nur begleitet, sondern in Bewegung hält;
- … jeder Satz mich ein Stück weiterträgt;
- … ich aus Worten neue Wege bauen kann.
Das klingt vielleicht pauschal, daher hier meine Geschichte jeweils dazu.
… weil das Schreiben mich nicht nur begleitet, sondern in Bewegung hält
Ich muss die Geschichten, die sich in meinem Kopf anstauen, erzählen. Der erste Roman »Heiter bis wolkig in Digitalien« musste raus! Meine Erfahrungen und Beobachtungen in unserem Coworking Space im Feriengebiet ließen mich nicht los. Die Geschichten wollte aufgeschrieben werden, um sie mit anderen zu teilen.
Genauso ging es mir dann mit generativer KI. Haltungen, grundsätzliche Überlegungen und der konkrete Umgang mit den Veränderungen drängten sich in meinem Hirn, um diese in einer Geschichte mit verschiedenen Blickwinkeln erzählen zu können. Ab dem ersten groben Szenario gingen mir Fiona, Jerry und Lukas für »ALLES FAKE!« nicht mehr aus dem Sinn. Ideen und Schnipsel für Texte oder Dialoge kamen, die ich digital oder in meinem Notizbuch festhielt.
Mit dem intensiven November-SchreibClub ließ ich dann jeden Tag frühmorgens meine Ideen in den ersten Entwurf des Manuskripts fließen. Nach diesem Roman-Kick-off habe ich die Figuren und deren Spannungsbögen so verinnerlicht, dass sie in Alltagssituationen aufploppen: Ich lese etwas zum Thema oder höre eine Anekdote, und schon muss ich mir eine Notiz machen, wie daraus ein Dialog zwischen Fiona und einem Gast in ihrem Podcast entstehen kann.
Nachdem die Texte fürs Buch fertig oder dann das Werk veröffentlicht ist, leben die Figuren, die ich erschaffen habe, in meinen Gedanken weiter. Das war für mich ein wichtiger Beweggrund, das zweite Buch zu schreiben. Eine Fortsetzung reizte mich nicht, aber die Figuren als Nebenfiguren im nächsten Roman wieder auftauchen zu lassen, das war für mich stimmig. Und genauso meldeten sich ständig Fiona, Jerry und Lukas, damit ich ihre Geschichten weiterentwickle.
… weil mich jeder Satz ein Stück weiterträgt
Während des Schreibens verarbeite ich Themen intensiv. Wir wissen ja, Lernen, also der Erwerb neuer Fähigkeiten oder das Durchdingen neuer Themen beginnt mit dem Zuschauen oder Lesen. Tiefer verankert wird das Gelernte, wenn wir es selber umsetzen und anwenden. Richtig verankern wir eine neue Materie, wenn wir sie weitergeben und anderen erklären.
Das gilt für Lerngruppen, Workshop-Leitung, Beiträge für ein Blog und ganz besonders ein Buch. Das schult meinen Blick und schärft meine eigene Betrachtung, vor allem wenn ich mich für ein Manuskript eine lange Zeit immer wieder mit dem gestellten Thema auseinandersetze. Und im Roman kann ich es mithilfe der Figuren aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
… weil ich aus Worten neue Wege bauen kann
Neue Wege zum Erwerb von Wissen, und neue Wege, die Lesende nach der Leseerfahrung gehen. Ich schreibe mit dem Blick auf berufstätige Frauen, um ihnen eher technische Themen näher zu bringen, ohne dass sie ein langweiliges Fachbuch wälzen oder gar ermüdendes ‚Mansplaining‘ in Kauf nehmen müssen.
Mein Vorbild in meinem gewählten Nischen-Genre ist vor allem Tom de Marco. Seinen Roman »Der Termin« las ich als angehende Projektmanagerin, nachdem ich andere Fachbücher zum Thema nur angelesen wieder zuklappte. Die Story in de Marcos Buch nahm mich mit auf eine abenteuerliche Reise von einem Projekt-Meilenstein zum nächsten. Die Hauptfigur ließ mich mitfühlen, wie Pläne plötzlich nur noch grobe Absicht werden, weil sich kleine Stellschrauben im Projektverlauf unvorhergesehen verändern.
Dieses Fachbuch im Romanformat habe ich wie einen spannenden Krimi verschlungen.
Und jetzt du: Wann ist dir das mit einem typischen Fachbuch so ergangen? Genau.
Meine Nische: Fachroman – Businessroman – Business Novel
Das sind Bezeichnungen für Bücher dieser Art, die in einer Geschichte eingebettet Wissen vermitteln. Leider eine Nische, die in der Buchhandels- & Verlags-Bubble meiner Meinung viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Bei der Veröffentlichung der Bücher konnte ich nur entweder Roman oder Sachbuch auswählen. Im ersten Buch entschied ich mich für Roman, im zweiten für Sachbuch.
In einer Barcamp-Session sammelte ich mit anderen weitere Beispiele, die viele gelesen haben, dabei nie drüber nachdachten, dass es Fachromane sind. Das sind zum Beispiel Bücher, die Wissen mit Storytelling vermitteln:
- »Sophies Welt« von Jostein Gaardner über die Geschichte der Philosophie (1999)
- »Die Kritische Kette« von Eliyahu M. Goldratt über Projektmanagement (2002)
- »Im Netz der Nachricht«, ein PR-Roman von Thomas Holzinger & Martin Sturmer (2011)
- »Der Termin« von Tom de Marco über Projektmanagement (2007)
- »Jour fixe um 11« von Gerd Kalmbach über aktivierendes Lehren im Unternehmen (2007)
- »Das Ziel. Ein Roman über Prozessoptimierung« von Eliyahu M. Goldratt & Jeff Cox (2008)
- »FISH!« von Stephen C. Lundin über Miteinander und persönliche Motivation im beruflichen Alltag (2015)
- »Das Büro. Direktor Beerta« von J.J. Voskuil über den Büroalltag im Roman (2016)
- »(UN)PLANBAR – Ein Business-Roman über Sales & Operations Planning« von Martin Hendel (2022)
Im TV-Format ist angekommen, wie Wissen am besten unterhaltsam vermittelt werden kann. In Fachbüchern gibt es zunehmend die Praxispassagen, in denen eine fiktive oder reale Person erzählt, was zuvor in akademischer Sprache vorgestellt wurde. Erst dozieren, dann eine kleine Anekdote – kaum bin ich in der Geschichte drin, werde ich rausgerissen, denn es geht dann wieder erst mal sachlich weiter. Teilweise las und lese ich in solchen Büchern erst mal nur die Beispiele, um dann in den mir wichtigen Aspekten das ganze Kapitel durchzuarbeiten.
Ich habe es versucht, so zu schreiben. Meine Erkenntnis: Es liegt mir nicht.
In meinen Romanen lade ich die Leserin ein, an den Erfahrungen, Rückschlägen und Durchbrüchen meiner Figuren teilzunehmen. Genau wie sie verlangen die Handelnden stellvertretend nach Erklärungen oder forschen mit anderen nach Hintergründen. So wie viele von uns manche Frage zu neuen technologischen Durchbrüchen stellen.
Im ersten Buch fasste die Hauptfigur Hanna in ihren Lerntagebuch-Einträgen am Ende eines Kapitels die fachlichen Aspekte zusammen. Im Manuskript für das KI-Buch begann ich erst damit, die Hauptfigur Fiona ebenfalls Tagebuch schreiben zu lassen. Da sie jedoch ihre Erkenntnisse in Form von Podcasts im Buch weitergibt, passte das Schema nicht. Daher nahm ich dann die fachlichen Fäden aus der Story jeweils in Begriffserklärungen am Kapitelende auf. Interessierte finden darüber hinaus im reichhaltigen Anhang jede Menge Futter zur Inspiration und Vertiefung.
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Inspirationen und Vorbilder fürs Schreiben
Apropos Inspiration: Von Tom de Marco schrieb ich ja bereits. Ohne ihn, aber auch ohne das Buch »Fish!« von Stephen C. Lundin, wäre ich vielleicht nicht auf die Idee gekommen, meinen Stil zu verfolgen und zu entwickeln.
Eine frühe Inspiration, selber ein Buch anzugehen, war meine schreibende entfernte Verwandte. Das machte für mich das Schreiben fassbarer. Dann schreiben meine Freundinnen Claudia Kimich und Catharina Wilhelm ihre Sachbücher. Mein Freund Klaus Eck veröffentlichte Sachbücher. Es waren plötzlich keine unerreichbaren, quasi magisch begabten Menschen mehr, die Bücher schreiben.
Danke! Eure Geschichten auf dem Weg zum Buch stärkten mir den Rücken, es auch zu versuchen. Und es funktioniert, wie dir jede und jeder sagen wird: Wenn du dranbleibst, fügt sich Kapitel an Kapitel.
Ich danke auch der Krimiautorin Susan Carner, mit der ich in den vier Schreibjahren für die beiden Bücher in intensivem Austausch über das Schreiben von Büchern stand. Sie erzählte mir, wie sie erlebte Situationen in ihren Romanen verarbeitet. Das hat mir sehr gefallen. Für mein erstes Buch rief ich mir Begebenheiten aus Workshops, Seminaren oder Beratungen in Erinnerung und schrieb sie nieder. Die Schauplätze im zweiten Buch in München, kenne ich alle aus meiner langen Zeit in der bayerischen Hauptstadt. Seither mache ich mir ständig Notizen über Erlebtes – vielleicht kann ich es ja später noch verwenden!
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Was hilft mir dabei, dran zu bleiben?
Vor allem sind das bei mir die Themen, die ich zu verarbeiten habe, und das Miteinander im SchreibClub.
Online SchreibClub
Jeden Mittwochmorgen treffen wir uns für eine Stunde zum gemeinsamen Schreiben. Obwohl ich keine Person bin, die frühmorgens jubilierend in den Tag startet, ist meine Schreibzeit im online-SchreibClub um 7:30 zu 99 Prozent produktiv. Vorherige Ansätze, nachmittags, abends oder am Wochenende mit anderen zu schreiben, liefen irgendwann aus.
Vielleicht lässt du dich auch gerne ablenken? Dann gibt dir diese Zeit miteinander den Fokus. Zu Beginn teilen wir uns mit, was wir schreiben werden, um dann zusammen in den Flow des Schreibens zu kommen. Der Morgentermin dieser besonderen Dranbleib-Gruppe läuft stabil seit Jahren, und ganz besonders seit der Club in das digitale Zuhause meiner Coworking Community im cowirkSPACE umgezogen ist.
Im November erhöht bei mir der SchreibClub die Schlagzahl: Täglich findet da das Miteinander um 7:30 statt (wochenends 8:30). Meine beiden Bücher startete und endete ich jeweils in diesen intensiven SchreibMonaten. Für ein Buchmanuskript ist besonders der Start mit dem täglichem Schreiben perfekt, denn anschließend bin ich ‚drin‘ in der Story und den möglichen Geschichten der Figuren.
Mindset
Meine innere Haltung ist wichtig fürs Dranbleiben Das ist nämlich vor allem die Haltung, nicht perfekt sein zu wollen im ersten Manuskript. Hier hilft mir der Spruch »You can always edit a bad page. But you can’t edit a blank page« der Autorin Jodi Picoult.
Buchstaben formen Worte, Wort für Wort entsteht ein Satz,
Satz für Satz ein Kapitel, und Kapitel für Kapitel ein Buch,
ist mein Leitgedanke.
Toolset: Strukturen für ‚No Excuses‘
Mein Ökosystem an Tools rund ums Schreiben gibt mir Struktur. Dazu zählen eine digitale Notizen-App, ein Notizheft zum Buch, eine App zum Transkribieren meiner Sprachnotizen, meine Kollegin KI und Schreibübungen.
Notizen-App: Ich nutze SimpleNote, um digital jederzeit Notizen in jedem Endgerät erfassen zu können, die automatisch synchronisiert werden. Mit einem Stichwort kennzeichnet ich die Notizen als zugehörig zum aktuellen Manuskript (zum Beispiel hbwdigitalien oder allesFakeFiona).
Notizheft: Wozu das, wenn ich doch die Notizen-App verwende, fragst du dich. Mit der Hand schreiben ist anders. Versuch es mal, wenn du eine der berühmten Schreibblockaden erlebst! Im Notizheft, das nur für mein Buch reserviert ist, skizziere ich Handlungsorte, zeichne Mindmaps, klebe Fundstücke zu den Figuren oder Orten ein oder lege KaWas zu den Figuren an.
Sprachmemos transkribieren: Ich denke schneller als ich tippen kann – und ich bin schon schnell. Manche Ideen sprudeln so, dass ich sie als Sprachmemo aufnehme. Das lasse ich mir dann lokal auf meinem Computer transkribieren, um damit weiterarbeiten zu können.
Kollegin KI: In meiner Coworking Community spreche ich mit anderen über mein Buchprojekt. Ich führe Interviews um Perspektiven einzusammeln, die ich für meine Figuren verwende. Und manchmal frag ich meine Kollegin KI, was ihr zu einem Thema aus einer bestimmten Rolle betrachtet einfällt. Oder kläre, ob ich noch einen Aspekt in meiner fachlichen Betrachtung ergänzen kann.
Schreibübungen: Wenn gar nichts geht, oder ich gerade nicht weiterkomme, nutze ich eine Übung. Dazu habe ich ein Padlet-Whiteboard mit kreativen Schreibübungen angelegt, aus denen ich mir einfach eine herauspicke. Timer auf zehn Minuten und los geht’s. Das macht Spass und anschließend läuft es meist wieder mit dem eigentlichen Schreibthema.
Du siehst, meine Strukturen sind dazu da, keine Ausreden zu haben, dranzubleiben. Sie machen es mir leichter, mein Schreibprojekt zu verfolgen.
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Wenn ich die Zeit hätte & Geld keine Rolle spielte,
… würde ich mehr Bücher in meinem Stil des Lernens im Vorbeilesen schreiben. So hat es meine treue Erstleserin Beate Mader getauft.
Ich feier es, wenn ich eine Abrechnung vom Verlag erhalte, auch wenn es nur kleine Summen sind. Jemand hat mein Buch gekauft, und ich freue mich, diese Person erreicht zu haben.
Danke, falls du dazugehörst, an dieser Stelle dafür!
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Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von kleiner Komet.
Danke liebe Stephanie für deine Leitfragen und die Gelegenheit, damit über das Schreiben und mein Schreiben nachzudenken.
Illustrationen: DoSchu mit Foto von Beate Mader und Canva.com
